Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2014
Gebt den Kindern das Spiel zurück!
Wie fairer Fußball geht
Der Inhalt:

Ein Haus für das ganze Leben

von Irene Dänzer-Vanotti vom 13.06.2014
Im Heilhaus Kassel liegt nur eine Tür zwischen Tod und Geburt. 130 Menschen widmen sich den Sterbenden und Gebärenden in Schönheit und Gemeinschaft

Geburt und Leben und Sterben. Dieser ewige Dreiklang ist in der Lebensgemeinschaft Heilhaus gegenwärtig. So gegenwärtig, dass es selbstverständlich klingt, wenn Hadwig Sturm sagt: »Ich wohne hier seit einigen Monaten und warte auf den Tod.« Ihre Augen leuchten dabei sogar.

Beim Mittagessen im Gemeinschafts-Restaurant liegt ein Kranz roter und rosafarbener Blütenblätter um Hadwig Sturms Teller. Es ist ihr 88. Geburtstag. Die Blütenblätter sind abgestimmt mit der weißen Rose, die auf jedem Tisch steht. Selbst die Farben des Essens – Rote-Beete-Rot und Kürbis-Orange – sind nicht zufällig gewählt. Sie entsprechen den Farben der Chakren – den Energiezentren des Körpers nach östlichen Lehren.

Die 130 Mitglieder, die hier in den 88 Wohnungen der Heilhaus-Gemeinschaft in Kassel leben, haben einen großen gemeinsamen Lebensentwurf: Sie widmen sich der Geburt, dem Leben und dem Sterben – und sie tun dies in einer Umgebung von großer, gestalteter Schönheit. Hier ist nichts dem Zufall überlassen: Die sechs Häuser im einst miesen Viertel Kassel-Rothenditmold sind in Chakrafarben gehalten. Selbst der Pfad, der sich zwischen den Häusern durch den Rasen windet, ist von Blumen in Orange, Gelb, Rot und Blau gesäumt, wiederum nach der Reihenfolge der Chakren im Körper. Und wie sich die Wohnhäuser um das Gebäude mit dem Geburtsraum und dem Sterbezimmer – dem namengebenden »Heilhaus« – gruppieren, versammeln sich auch die Bewohner um eine Frau als Mittelpunkt der Gemeinschaft.

Ursa Paul ist Psychotherapeutin und spirituelle Lehrerin. Ihre Vision, mitten in Deutschland eine Gemeinschaft zu gründen, die Menschen ins Leben hinein und aus dem Leben hinaus begleitet, sieht sie als göttlichen Auftrag. Die Menschen in der Gemeinschaft wohnen individuell – als Singles, Paare oder Familien – und gehen ihrer Arbeit nach. Darüber hinaus erfüllen sie aber auch Aufgaben für die Gemeinschaft und ihr großes Ziel, Geburt, Leben und Sterben human zu gestalten.

Bisher ist das ein Erfolg: Das Wohnprojekt besteht seit sieben Jahren und wächst stetig. Jetzt wird ein Hospiz für Kinder, Jugendliche und Erwachsene jeden Alters gebaut. »Haus der Mitte« soll es heißen und 2015 eröffnet werden. Fürsorge für Geburt, Leben und Tod in Schönheit und angeleitet von einer Frau, die mit ihren Lehren und Überzeugungen die Gemeinschaft prägt und hält: Ist das nicht zu

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen