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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2013
Götzen, Geld und die Gerechtigkeit
Was Christen heute herausfordert
Der Inhalt:

Unter den Muslimbrüdern sehr allein

von Dorothea Buck vom 14.06.2013
Ägypten: Im Schura-Rat, dem Oberhaus, sind Christen in der Minderheit. Zwei von ihnen engagieren sich dennoch

Benachteiligung ist für Christen in Ägypten seit Jahrzehnten Alltag. Hohe Ämter in Politik, Militär oder Medien sind ihnen verwehrt. Zwar gibt es kein Gesetz, das dies so verfügt. Dennoch müssen Christen oft erleben, dass ihnen Muslime vorgezogen werden. Das gilt auch in der Wirtschaft oder an der Universität. Entsprechend gering sind die Möglichkeiten der Christen, sich an den Gestaltungsprozessen der Nation zu beteiligen.

Mit der Machtergreifung durch die Muslimbrüder 2012 ist das noch schwieriger geworden. Im Oberhaus, dem Schura-Rat, dessen Legitimität laut einem höchstrichterlichen Urteil neuerdings umstritten ist, sind unter den 270 Abgeordneten nur zwölf Christen. Dabei beträgt ihr Anteil an der Bevölkerung von neunzig Millionen rund zehn Prozent.

Freddy Elbaiady ist einer der Christen, die Ende 2012 von Staatspräsident Mohammad Mursi für den Schura-Rat ernannt wurden. Laut Verfassung werden zwei Drittel der Abgeordneten dieses Gremiums direkt gewählt. Die übrigen neunzig Mitglieder ernennt der Präsident. Als Mursis Wunschkandidaten feststanden, zeigte sich, dass 88 Prozent aller Parlamentarier im Oberhaus entweder Muslimbrüder oder radikal-islamistische Salafisten waren. Die Enttäuschung bei der Opposition war groß.

Für die wenigen Posten, die mit Christen besetzt wurden, hatten die großen Kirchen in Ägypten dem Präsidialamt Namen vorgeschlagen. Elbaiady wurde von seiner evangelischen Kirche, der Presbyterianischen Nilsynode, vorgeschlagen. »Zuerst wollte ich ablehnen. Es ist klar, dass ich bei der Zusammensetzung kaum etwas bewirken kann«, sagt der 42-Jährige, der aus El-Qanatir im Norden von Kairo stammt. Dort leitet er ein Krankenhaus. Freunde hätten ihm abgeraten. Seine Mitarbeit im Schura-Rat habe nur den Zweck, dem Gremium einen demokratischen Anstrich zu geben.

»Wenn ich abgesagt hätte, hätten sie jemand anderes aus den Kirchen gefunden«, sagt Elbaiady, der politisch nicht unbeleckt ist. Seit zehn Jahren ist er auf regionaler Ebene aktiv. Der eine oder andere Freund habe ihn auch gewarnt, dass er sich für eine weitere politische Zukunft verbrenne, wenn er jetzt auf das Angebot der Muslimbrüder eingehe. »Ich mache mir keine Gedanken um meine politische Zukunft«, sagt Elbaiady knapp. Ihm sei es wichtig, seinem Land Ägypten zu helfen in einer

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