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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2013
Götzen, Geld und die Gerechtigkeit
Was Christen heute herausfordert
Der Inhalt:

»Das gibt es nirgendwo sonst auf der Welt«

von Hamed Abdel-Samad vom 14.06.2013
Deutschland braucht Islamkonferenzen! Es existieren zwei davon, und keine ist eine zu viel. Plädoyer eines kritischen Muslims

Vor sieben Jahren wurde die Deutsche Islamkonferenz vom damaligen Innenminister Wolfgang Schäuble ins Leben gerufen, um einen Dialog zwischen dem Staat und den muslimischen Vertretern im Land zu beginnen. Allein die Tatsache, dass diese erstmals 2006 tagende Konferenz im Innenministerium – und nicht etwa im Kultus-, Familienministerium oder gar im Kanzleramt – angesiedelt wurde, warf einen Schatten auf die Ausrichtung und die Ziele dieses Dialogs. Man wollte über Fragen des Zusammenlebens diskutieren, doch die Themen »Terrorismus« und »innere Sicherheit« waren immer allgegenwärtig.

Kein Wunder, dass deshalb vor wenigen Wochen der Unmut islamischer Verbandsvertreter laut wurde: Man fühle sich vorverurteilt, weil der amtierende Innenminister Hans-Peter Friedrich den Sicherheitsaspekt immer penetranter betone. Die Islamkonferenz brauche einen Neustart – oder mache sich selbst überflüssig.

Ob das wirklich so ist, kann bezweifelt werden. Denn bei aller berechtigten Kritik bleibt die Deutsche Islamkonferenz doch eine einzigartige Veranstaltung. Hier sitzen Schiiten, Sunniten, Aleviten, junge und alte, konservative, liberale und islamkritische Muslime an einem Tisch und diskutieren. Das gibt es nirgendwo sonst auf der Welt. Viele gute Projekte – zum Beispiel zur Bekämpfung des Antisemitismus unter jungen Muslimen – sind in den zurückliegenden Jahren daraus hervorgegangen. Das Thema »Geschlechterrollen« wird jetzt auch in den Islamverbänden kontrovers diskutiert. Das ist neu. Und so lässt sich das Fazit ziehen: Man darf niemals unterschätzen, was sich entwickeln kann, wenn Menschen Zugang zu anderen Sichtweisen der Dinge bekommen.

Die erste Islamkonferenz dauerte drei Jahre und beschäftigte sich hauptsächlich mit Grundsatzfragen wie der Vereinbarkeit von Islam und Demokratie. Dort lieferten sich zwei Lager heftige Wortgefechte. Vertreter der konservativen Islamverbände zitierten Passagen aus dem Koran, die Toleranz und friedliches Zusammenleben der Religionen fordern; Islamkritiker zitierten dagegen Passagen, die das Gewaltpotenzial und die Menschenrechtsdefizite des Islams belegen sollten. Man verharkte sich; eine Lösung des Konflikts kam nicht in Sicht.

Im Jahr 2008 wurde als Gegenveranstaltung die Kritische Islamkonferenz vom Zentralrat der Ex-Muslime und der

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