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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2013
Götzen, Geld und die Gerechtigkeit
Was Christen heute herausfordert
Der Inhalt:

Brücken in die Vergangenheit

von Peter Otten vom 14.06.2013
Kardinal Meisners Projekt: Identität durch Abgrenzung von den Nichtkatholiken. Taugt dieser Weg für die Zukunft? Der nationale Eucharistische Kongress 2013 in Köln

Als die Bischöfe bei der Eucharistiefeier zu Beginn des Eucharistischen Kongresses an den Altar getreten sind, verschwindet das Gesicht des Kölner Kardinals Joachim Meisner für Augenblicke hinter dichten Weihrauchschwaden. Fast scheint der Nebel die ganze Altarinsel einzuhüllen, die wirklich eine kleine Insel ist – wenn auch keine der Seligen – inmitten eines kleinen Gewässers. Und das Volk, heute vielleicht 4000, drumherum.

»Katholische Bilder, die können sie immer noch«, raunt einer nachher. Und diese Bilder sollen dazu dienen, sich der »Mitte des Glaubens«, der »Mitte der Kirche« zu vergewissern, so benennen Bischöfe allenthalben ihre Erwartungen an die Tage in Köln. Die zwei wichtigsten Erwartungen sollen nicht im Weihrauchnebel verschwinden, sondern die Tage prägen. Erstens: Identität durch Abgrenzung. Und zweitens: Die nach Ständen geordnete katholischen Kirche. Hier das lehrende Amt, dort das hörende Gottesvolk.

Also beginnt jeder Tag mit bischöflichen Katechesen. Da kommen dann Hunderte wie beim Altstar Kardinal Karl Lehmann, der sich bei der Gelegenheit medienwirksam von der alten Messe distanziert. Da verirren sich aber auch mal nur zwei Hände voll wie in Sankt Agnes, der zweitgrößten Kirche Kölns, beim Auftritt des Mainzer Weihbischofs Ulrich Neymeyr. Manch ein Bischof verhehlt hinter vorgehaltener Hand nicht seinen Unmut über den zu absolvierenden 45-minütigen Monolog. Viele Schüler langweilen sich sichtlich – »Wir sollen heute an Gott herangeführt werden, glaube ich« –, als Erzbischof Robert Zollitsch beim Tag der Schüler seine Rede vom Blatt abliest und jene Postkartengeschichte von den Spuren im Sand vorträgt mit der Pointe, dass Gott den Menschen in den schwierigsten Zeiten trage. Da sind die Jugendlichen, die in eine moderierte Katechese bei Bischof Franz-Josef Overbeck geraten sind von der Performance her eindeutig besser dran.

Es gibt Bischöfe, die verlassen sich unverdrossen auf das alte Bild der katholischen Kirche als Gnadenanstalt und Sachverwalterin des Heils. In Sankt Heribert hält der »unbeugsam-unbequeme Kardinal Meisner« vor einigen Hundert Schülerinnen und Schülern dem »zunehmend mut- und farblosen Katholizismus« von heute mit erhobenen Zeigefinger den tiefen Glauben zu den Verfolgungszeiten unter Stalin und Hitler entgegen.

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