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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2012
Die Zeit des Gehorsams läuft ab
Nach dem Katholikentag
Der Inhalt:

»Bitte nie wieder!«

von Constanze Bandowski vom 05.06.2012
Matthias Steinhäuser, 49, hat eine zweite Chance bekommen: Nach langer Arbeitslosigkeit ist er als Hausmeister angestellt

Ich war 17 Jahre lang bei Hochtief. 17 Jahre! Dann haben sie mir gekündigt. 2003 war das. Zack, einfach so. Das passiert, wenn ein Unternehmen beschließt, Dienstleister zu werden. Da wird dann entlassen, und Subunternehmen übernehmen die Arbeit. Diese Leihfirmen sind ganz legal. Die Leute kommen aus Polen, Griechenland oder Rumänien. Das ist auf dem Bau inzwischen so üblich.

1986, als ich in der Niederlassung Hamburg anfing, hatte Hochtief hier 360 gewerbliche Mitarbeiter. Zuletzt waren wir noch zwanzig Leute. Bei der ersten Entlassungswelle wurde der halben Belegschaft gekündigt. Da hab ich noch im Scherz zu einem Kollegen gesagt: »Wenn wir mal gehen, gibt’s nicht mal mehr einen Sozialplan!« Ich konnte ja nicht ahnen, dass der Scherz ernst würde.

Natürlich ist man erst mal sauer, wenn einem so etwas passiert, aber irgendwann ist dann der Punkt gekommen, an dem man fertig ist mit der Firma. Ich hab mich also arbeitslos gemeldet. Das war zu der Zeit, als Hartz IV eingeführt wurde. Und weil mir klar war: Als Bauarbeiter wirst du nix mehr, hab ich mich zum Meisterlehrgang in der Handelskammer angemeldet. Vom Prinzip her eine gute Idee, aber im Nachhinein ein Fehler: Von 21 Leuten war ich der einzige Betonbauer. Der Rest war Maurer, und im Gegensatz zu mir hatten alle in irgendeiner kleinen Klitsche gearbeitet und kannten sich mit Einfamilienhäusern aus. Darum ging es hauptsächlich in dem Kurs, und somit habe ich die Prüfung nicht bestanden.

Nur einen Schein als Ausbilder habe ich bekommen. Das ist ja kein Wunder: Ich leite seit Jahren ehrenamtlich Jugendgruppen, das war also eine Nullnummer für mich. Den Kurs hatte ich selbst bezahlt von meiner Abfindung. Ich hatte sie mit einer Klage auf Wiedereinstellung erstritten. Seit Ewigkeiten bin ich in der Gewerkschaft, da weiß man, was zu tun ist.

Während des Kurses ließ ich mich von der Arbeitssuche freistellen. Danach rutschte ich direkt in Hartz IV ab. Hartz IV ist scheiße! Man hat wenig Geld, aber das Schlimmste ist dieses Menschenverachtende. Die unterstellen dir ständig, dass du gar nicht arbeiten willst!

Man kommt da hin, und die behandeln dich wie eine Nummer. Hauptsache, du kommst aus ihrer Statistik raus! Das passiert allein schon durch einen Bewerbungskurs. Ich habe sieben oder acht Bewerbungskurse gemacht! Das ist unglaublich, aber wahr! Du kannst zehnmal sag

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