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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2017
Die Tücken des fairen Handels
Im Norden boomt Fair Trade - im Süden wächst die Kritik
Der Inhalt:

In Gefangenschaft

Regierungen, Schulen und Stadtverwaltungen in ganz Europa nutzen Software von Microsoft. Diese Abhängigkeit ist fatal

Microsoft ist überall. Europas Regierungen von Finnland bis Portugal, von Irland bis Griechenland nutzen die Bürosoftware des US-Giganten – und geraten immer tiefer in einen Strudel aus Abhängigkeiten. »Viele staatliche Verwaltungen sind so abhängig von diesem einen Anbieter, dass sie nicht mehr die Wahl haben, welche Software sie nutzen wollen. Damit laufen die Staaten Europas Gefahr, die Kontrolle über ihre eigene IT-Infrastruktur zu verlieren«, warnt der Informatiker und Jurist Martin Schallbruch, der bis 2016 Abteilungsleiter für Informationstechnik und Cybersicherheit im Bundesinnenministerium war. Die EU-Kommission räumte sogar ein, sie befinde sich »in effektiver Gefangenschaft bei Microsoft«.

Wie konnte es so weit kommen? Der Grund ist das Geschäftsmodell von Microsoft: Der Software-Riese verkauft das Betriebssystem Windows und die Büroprogramme Word, Excel, Powerpoint und Outlook als Lizenzprodukt. Das bedeutet, dass der zugehörige Programmcode geheim bleibt. Dies wiederum verhindert, dass mögliche Wettbewerber all die Dateien richtig darstellen können, die mit Microsoft-Programmen erzeugt wurden. Mit einer anderen Software sehen Überschriften oder Tabellen dann plötzlich anders aus; die Formatierung geht verloren. Das ist der Schlüssel für das globale Microsoft – und ein sagenhaftes Geschäft. Jahr für Jahr kassiert der Konzern für die bloße Verteilung von Programmkopien nahezu fünfzig Milliarden Dollar an Lizenzgebühren.

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