Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2017
Die Tücken des fairen Handels
Im Norden boomt Fair Trade - im Süden wächst die Kritik
Der Inhalt:

In Gefangenschaft

von Harald Schumann, Elisa Simantke vom 26.05.2017
Regierungen, Schulen und Stadtverwaltungen in ganz Europa nutzen Software von Microsoft. Diese Abhängigkeit ist fatal

Microsoft ist überall. Europas Regierungen von Finnland bis Portugal, von Irland bis Griechenland nutzen die Bürosoftware des US-Giganten – und geraten immer tiefer in einen Strudel aus Abhängigkeiten. »Viele staatliche Verwaltungen sind so abhängig von diesem einen Anbieter, dass sie nicht mehr die Wahl haben, welche Software sie nutzen wollen. Damit laufen die Staaten Europas Gefahr, die Kontrolle über ihre eigene IT-Infrastruktur zu verlieren«, warnt der Informatiker und Jurist Martin Schallbruch, der bis 2016 Abteilungsleiter für Informationstechnik und Cybersicherheit im Bundesinnenministerium war. Die EU-Kommission räumte sogar ein, sie befinde sich »in effektiver Gefangenschaft bei Microsoft«.

Wie konnte es so weit kommen? Der Grund ist das Geschäftsmodell von Microsoft: Der Software-Riese verkauft das Betriebssystem Windows und die Büroprogramme Word, Excel, Powerpoint und Outlook als Lizenzprodukt. Das bedeutet, dass der zugehörige Programmcode geheim bleibt. Dies wiederum verhindert, dass mögliche Wettbewerber all die Dateien richtig darstellen können, die mit Microsoft-Programmen erzeugt wurden. Mit einer anderen Software sehen Überschriften oder Tabellen dann plötzlich anders aus; die Formatierung geht verloren. Das ist der Schlüssel für das globale Microsoft – und ein sagenhaftes Geschäft. Jahr für Jahr kassiert der Konzern für die bloße Verteilung von Programmkopien nahezu fünfzig Milliarden Dollar an Lizenzgebühren.

Ums EU-Recht schert sich keiner

Diese Gebühren zahlen öffentliche Verwaltungen in Europa notgedrungen. Denn ob Steuern erhoben, Rente gezahlt oder die Müllgebühr abgerechnet wird, für fast alle Dienstleistungen des Staates ist eigens entwickelte Software im Einsatz. Weil aber überall nur das Betriebssystem Windows läuft, baut alles darauf auf – und liefert die Behörden der Willkür des Herstellers aus.

Wie weit das geht, zeigte sich, als Microsoft Ende 2014 die Lieferung von Sicherheits-Updates für die Version Windows XP einstellte. Plötzlich sahen sich staatliche Institutionen quer durch Europa gezwungen, teure Serviceverträge mit dem Konzern abzuschließen, damit dieser weiterhin Sicherheitslücken in seinem alt

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen