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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2014
Klaus Mertes: Was sich in der katholischen Kirche ändern muss
Der Inhalt:

Versöhnung nach zwei Kriegen

von Markus Dobstadt vom 23.05.2014
Deutsche Jugendliche beeindrucken alte Menschen in Weißrussland

Abschleifen, streichen, hämmern, und das drei Wochen lang. Jugendliche aus Westfalen renovieren gemeinsam mit jungen Weißrussen die Häuser von älteren Bewohnern in Belarus. Ulrike Jaeger, Jugendreferentin im westfälischen Kirchenkreis Herford, hat das Projekt vor 17 Jahren gestartet und organisiert es seither. Viele der betagten Männer und Frauen, denen die Jugendlichen helfen, haben zwei Weltkriege erlebt und unter der deutschen Besatzung gelitten. Nun bekommen sie erstmals etwas Gutes von Deutschen.

Für die Jugendlichen ist die Zeit erlebnisreich, aber hart. Meist schlafen sie auf dem Fußboden in halbfertigen Häusern, die der Verein Heim-statt Tschernobyl für Familien aus den radioaktiv belasteten Gebieten baut.

Über eine Freundin hatte Ulrike Jaeger vor 18 Jahren Kontakt zu dem Verein bekommen und während ihres Urlaubs bei einer Bau-Aktion mitgemacht. Die 49-Jährige kann anpacken und improvisieren. Dabei sah sie das Elend der alten Menschen und hörte ihre Klagen: »Ihr Deutsche helft nur den jungen Erwachsenen aus dem Tschernobylgebiet.« Da nahm sie sich vor, mit Jugendlichen zurückzukommen.

Und obwohl die Reise beschwerlich ist und die deutschen Jugendlichen 325 Euro bezahlen müssen, finden sich immer genügend junge Leute. »Sie machen Erfahrungen, die sie nicht mehr vergessen«, berichtet Ulrike Jaeger. Zwar stehen sie den ganzen Tag im Dreck und viele müssen sich überwinden, das Plumpsklo im Garten zu benutzen. Aber für ihren Einsatz ernten sie große Dankbarkeit von den alten Bewohnern, denen sonst niemand hilft. Und sie kommen mit ihnen ins Gespräch. Oft sind die Jugendlichen die ersten Deutschen, mit denen die Weißrussen über ihre schrecklichen Kriegserfahrungen reden. Zu den drei Wochen gehört immer eine Begegnung mit Zeitzeugen. Eine Frau erzählte den Jungen und Mädchen, dass sie mit ansehen musste, wie ihre Mutter auf dem Jubilejnaja-Platz in Minsk von der SS erhängt wurde. »Ihr habt keine Schuld«, sagt sie den entsetzten Jugendlichen.

Die profitieren auch von dem Kontakt mit den weißrussischen Jugendlichen, die ebenfalls mit anpacken. Dass alle gemeinsam arbeiten, schafft eine besondere Atmosphäre. »Es ist Begegnung pur«, sagt die Jugendreferentin. Die weißrussischen Jugendlichen kommen jeweils im Herbst für eine Woche nach Deutschland zu e

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