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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2013
Die Weisheit des Körpers
Wie wir lernen, unseren Gefühlen zu vertrauen
Der Inhalt:

Zwischen allen Fronten

von Knut Henkel vom 31.05.2013
Im Südwesten Kolumbiens kämpfen die Indios für ihre Rechte. Sie tun es im Geist des ermordeten Priesters Alvaro Ulcué

Nirgendwo wird der Bürgerkrieg in Kolumbien so heftig ausgetragen wie in der verarmten Provinz Cauca im Südwesten des Landes. Doch zugleich steht Cauca für Hoffnung. Denn dort zwangen die Indígenas mit zähem, gewaltfreiem Widerstand die Regierung an den Verhandlungstisch. Das Ziel: ein Ende der seit vielen Jahren andauernden Militarisierung des Landes. Indios leisten vor Ort eine erfolgreiche Friedensarbeit – unter schwierigen Bedingungen.

Diese Friedensarbeit wurde begründet von dem ersten, im Alter von 39 Jahren ermordeten katholischen Indio-Priester Kolumbiens aus dem Volk der Nasa: Alvaro Ulcué. Der Geistliche wurde wegen seines Eintretens für die gemeinsamen Landrechte seines Nasa-Volkes am 25. November 1984 von Auftragsmördern der Großgrundbesitzer erschossen.

Sein Nachfolger, Feliciano Valencia, ist Laie. Ihn treffe ich in der selbst organisierten Indio-Universität der Provinzhauptstadt Popayán. Er schiebt den schwarzen Cowboyhut in den Nacken, um seinem Tischnachbarn, einem Vertreter der UN, etwas ins Ohr zu wispern. Der kleingewachsene stämmige Mann, dessen Oberlippe ein dünner Bart ziert, wechselt immer mal wieder seinen Platz, um im großen Saal der Universität das Gespräch zu suchen: mit seinen Nasa-Kollegen, aber auch mit den internationalen Beobachtern und den Vertretern der Regierung. »Diese Universität haben wir aufgebaut, um unseren Nachwuchs besser zu qualifizieren und unsere Identität zu bewahren«, sagt der 46-Jährige in einer Pause draußen vor der Tür.

Feliciano Valencia zählt zu den bekanntesten Sprechern der Nasa, der größten indigenen Ethnie in Cauca. Sie stellen eine Reihe der Verhandlungsführer des CRIC, des Consejo Regional Indígena del Cauca. Diese Dachvereinigung der indigenen Völker Caucas ist der Dialogpartner der Regierung. »Wir verhandeln über die Zukunft der Region, über die Entmilitarisierung, die Respektierung der Menschenrechte und unserer Rechte als indigene Minderheit«, sagt Valencia.

Das Überlebensrecht der Bevölkerung wird von der kriegführenden linksextremen FARC-Guerilla, von rechten Paramilitärs und der Armee nicht respektiert. Kriegszüge in den Indio-Reservaten sind genauso normal wie die Besetzung strategisch wichtiger Punkte in der Region. »Dabei interessiert es diese Menschen nicht, ob es sich um heilige Orte

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