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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2013
Die Weisheit des Körpers
Wie wir lernen, unseren Gefühlen zu vertrauen
Der Inhalt:

Seligsprechung im Stadion

von Thomas Seiterich vom 31.05.2013
Pater Pino Puglisi: Von der Mafia ermordet, vom Volk geliebt

Als die Nachricht aus Rom in der sizilianischen Metropole Palermo eintraf, Padre Giuseppe »Pino« Puglisi werde am Samstag, den 25. Mai seliggesprochen, war den gläubigen wie den ungläubigen Palermitanern gleich klar: Der Dom ist für den Festgottesdienst zu klein, ebenso die Großmarkthallen. Die Heiligsprechung muss in der größten Arena Siziliens stattfinden, dort, wo sonntags in den berühmten rosa Trikots der italienische Erstligist US Palermo kickt, im städtischen Fußballstadion Renzo Barbera mit seinen knapp 37 000 Plätzen.

Gleich in den ersten Tagen besorgten sich über 25 000 Leute Karten für die Seligsprechung. Der Märtyrer, Pino Puglisi, ist ungemein populär, 25 Jahre nachdem ihn Mafia-Killer erschossen. Puglisi war Jugendpfarrer. Nun hat Palermo in ihm einen himmlischen Patron gegen die Mafia. »Alle Jugendgruppen setzen sich mit seinem Leben auseinander«, sagt Maria Besco, kirchliche Jugendarbeiterin. Auch für Anwälte, Richter, Polizisten und Lehrer gibt es Seminare über den Seligen.

Pino Puglisi lernte ich in den 1980er-Jahren kennen. Geboren wurde er im armen Altstadtviertel Brancaccio. Dort sammelte der Geistliche später die gefährdeten, arbeitslosen Jugendlichen. Er stellte ihnen die tödliche Ausweglosigkeit vor Augen, die aus dem Eintritt in die Mafia folgt – etwa als Eckensteher oder Kurier. »Ihr kommt da nie mehr raus«, warnte er. Deshalb hielt Puglisi die Teens aus den öden Mietskasernen davon ab, Drogendealer zu werden. Mit Erfolg.

Auf der Kanzel der Ortskirche San Gaetano predigte er gegen den Mafiaterror und die Omertà, das verängstigte Schweigen vieler Sizilianer. Anfang 1993 startete er das Centro Padre Nostro, das »Vaterunser-Zentrum für Bildung und Evangelisierung«. Die Jugendlichen feierten ihren dynamischen Priester als Helden. Sie gaben ihm den Spitznamen 3P, gesprochen TréPí, nach seinen Initialen. Doch in der Nacht des 2. Juni 1993 mauerten Unbekannte das Vaterunser-Zentrum zu – es war die ultimative Warnung der Mafia.

An seinem 56. Geburtstag, dem 15. September 1993, lauern Mafiakiller vor Puglisis Haustür. Als der Priester ins Freie tritt, erschießen sie ihn. Vier Jahre später gesteht der Mafioso Salvatore Grigoli 46 Morde, darunter den Priestermord. Weil der Täter m

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