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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2013
Die Weisheit des Körpers
Wie wir lernen, unseren Gefühlen zu vertrauen
Der Inhalt:

»Niemand geht dorthin«

von Christian-Zsolt Varga vom 31.05.2013
Rechte Theater, die Not der Künstler und die Spiele der Macht. Fragen an den ungarischen Regisseur Benedek Fliegauf

Herr Fliegauf, Sie sind einer der international profiliertesten Filmemacher Ungarns. Wie steht es derzeit um die Freiheit von Künstlern in Ihrem Land?

Benedek Fliegauf: Viele meiner Kollegen sind verzweifelt. Denn das System funktioniert raffinierter, als es die deutschen Medien oft darstellen: Es gibt keine Zensur, sondern tendenziöse Vorgaben. Wenn ein Filmemacher die nicht befolgt, kann er nicht mehr arbeiten. Er verliert seine Existenz.

Wie sieht es bei anderen Kulturschaffenden aus?

Fliegauf: Bildende Künstler, Tänzer und die alternative Theaterszene sind noch viel härter betroffen. Gerade das alternative Theater, das in Ungarn eine lange Tradition hat, ist heute einfach nicht mehr existenzfähig. Die Regierung hat ihm die Mittel komplett entzogen.

Das Neue Theater in Budapest wird seit einem Jahr von dem rechtsradikalen Intendanten György Dörner geleitet. Mit welchen Folgen?

Fliegauf: Auch diese Tendenz ist eine Katastrophe. Die Kultur funktioniert nicht mehr demokratisch. Das Neue Theater, zu dessen Leiter sie diesen kryptofaschistischen Idioten ernannt haben, ist leer, niemand geht dorthin. Das alles ist schrecklich. In der Organisation der Kultur werden ständig neue Pyramiden gebaut, an deren Spitze einzelne Personen stehen und ganz oben dann Viktor Orbán. Die Vielfalt der ungarischen Kultur geht verloren.

Ihr Film »Just the Wind« erhielt 2012 auf der Berlinale den Silbernen Bären. Es geht darin um eine Mordserie an Roma und um den Alltagsrassismus in Ungarn. Was bewegte Sie, diesen Film zu machen?

Fliegauf:Die Roma-Morde haben mich sehr erschüttert. Seit dem Holocaust hat es solch einen eiskalt geplanten Angriff gegen eine Ethnie in Ungarn nicht mehr gegeben. Ich spürte, wie das Gewicht dieser Ereignisse auf mir lastete, und musste als Künstler Stellung dazu beziehen.

Die Orbán-Regierung ließ auf der Berlinale Flugblätter verteilen, die klarstellen sollten, dass der Film zwar auf einer wahren Begebenheit beruhe, aber dennoch reine Fiktion sei. Wie haben Sie darauf reagiert?

Fliegauf: Zunächst: Die Regierungs-PR kam meinem Film sehr zugute. Sie lenkte die Aufmerksamkeit der internationalen Medien auf den Film. Zum and

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