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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2010
Rebellion auf leisen Sohlen
Der Ökumenische Kirchentag in München
Der Inhalt:

Dunkle Flecken auf dem Trikot

von Michaela Ludwig vom 28.05.2010
Opfer der Apartheid verklagen den Hauptsponsor der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, die Daimler AG

Während die Welt mit Spannung die Eröffnung der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika erwartet, ziehen über dem Hauptsponsor der deutschen Mannschaft dunkle Wolken auf: über der Daimler AG. Der Autobauer wird von seiner lange verdrängten Vergangenheit im südafrikanischen Apartheidregime eingeholt – ebenso wie andere deutsche und amerikanische Unternehmen.

Mpho Masemola ist eigens für die Hauptversammlung der Daimler-Aktionäre nach Berlin gereist. Dort hat er den Vorstand und die Aktionäre des Weltkonzerns aufgerufen, sich endlich mit der Unternehmensgeschichte in seinem Heimatland auseinanderzusetzen. »Es ist an der Zeit, dass Daimler Verantwortung für die Geschäfte übernimmt, die man mit dem Apartheidregime in Südafrika betrieben hat«, fordert der 45-Jährige. Er musste einst als Jugendlicher eine fünfjährige Haftstrafe im Gefängnis auf Robben Island absitzen, weil er gegen das Apartheidregime gekämpft hatte. Dabei wurde er brutal gefoltert, verprügelt und mit Elekroschocks misshandelt.

Nachdem er aus dem Gefängnis entlassen worden war, organisierte er weiter Demonstrationen. 1991 wurde er von einem Polizisten angeschossen. Das Geschoss steckt noch immer in seinem Kopf, unter den Folgen leidet er bis heute. Gemeinsam mit der Organisation Khulumani, die 58 000 Opfer des Apartheidregimes vertritt, kämpft Mpho Masemola um Wiedergutmachung und klagt seit 2002 in den USA auf Entschädigung. Im vergangenen Jahr hat ein Bundesbezirksgericht in New York die Sammelklage zugelassen. Sie wird von der US-amerikanischen und der südafrikanischen Regierung unterstützt. Das weitere Verfahren wird derzeit jedoch durch zahlreiche Eingaben der Beklagten aufgehalten. In der Berufungsinstanz muss geklärt werden, ob Unternehmen überhaupt gegen das Völkerrecht verstoßen haben und dafür haftbar gemacht werden können.

Die Opfer des Apartheidregimes werfen Daimler und Rheinmetall sowie den amerikanischen Unternehmen Ford, General Motors und IBM »Beihilfe zu schweren Menschenrechtsverletzungen« vor. Sie argumentieren, dass die Unternehmen entweder anerkannte Menschenrechte in Südafrika verletzt oder staatliche Menschenrechtsverbrechen durch die Lieferung entsprechender Güter ermöglicht und unterstützt haben.

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