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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2019
Ach, Europa
Vielfältig, widersprüchlich, wunderbar – die EU vor der Wahl
Der Inhalt:

Spiritprotokoll: Gebet für die Erde

von Viola Rüdele vom 10.05.2019
Gisa Luu (68) hat bei »Exerzitien im Alltag« über die Schöpfung meditiert. Jetzt geht sie mit Papsttexten auf die Klima-Demos

Ein Kreuz und eine Pyramide: Diese beiden Gegenstände waren nun fünf Wochen lang jeden Morgen mein Bezugspunkt. Während dieser Zeit habe ich an einem Kursus »Exerzitien im Alltag« teilgenommen, den die Kirchen in Frankfurt angeboten hatten. Das Thema lautete: Erdverbunden. Die Natur lag mir schon immer am Herzen. Ich liebe meinen Garten. Und jetzt, wo jeden Freitag Schülerinnen für mehr Klimaschutz auf die Straße gehen, war das für mich der richtige Moment, mich intensiver mit dem Thema Schöpfung zu befassen. Also habe ich mich angemeldet.

Jeden Morgen, nach dem Frühstück und der Zeitungslektüre, habe ich mich ungefähr zwanzig Minuten lang an meinen schönen alten Schreibtisch gesetzt. An dem habe ich schon immer gerne gesessen, auch als ich noch Lehrerin an der Grundschule war. Als Erstes habe ich diese beiden Gegenstände vor mich auf den Tisch gestellt: Das Kreuz ist aus einer Patronenhülse gefertigt, die kleine Pyramide ist aus blauem Glas und erinnert mich an eine verstorbene Freundin. Beides hilft mir, mich zu sammeln.

Dann habe ich das Begleitheft für die Exerzitien im Alltag aufgeschlagen und den Text für den jeweiligen Tag gelesen. Das war oft ein Zitat aus der Enzyklika »Laudato si« von Papst Franziskus, manchmal auch ein Stück aus der Bibel. Den Text habe ich immer sehr gründlich gelesen. Worte, die mir besonders wichtig waren, habe ich bunt markiert, dann durch das große Fenster hinaus in meinen Garten geschaut und darüber nachgedacht. Meine Gedanken konnte ich dann auf der linken Seite des Heftes notieren, die leer war. Einige Sätze aus dem Begleitheft haben mich tief beeindruckt: »Aus dem Geist zu leben bedeutet, das Leben in seiner ganzen Fülle zu schmecken.« Den ganzen Tag über sind mir diese Worte aus der ökumenischen Missionserklärung 2006 im Gedächtnis geblieben. Ja, so stelle ich mir Kirche vor.

Neben den Impulstexten gab es auch Bilder, die ich länger betrachten konnte. Bei einem Motiv aus einem Hungertuch ist mir aufgefallen, dass da ja ein älterer Mensch fehlt. Also habe ich eine solche Figur dazugemalt. Zum Abschluss habe ich täglich ein Gebet gesprochen. Das war für mich noch einmal eine neue Erfahrung, dass ich mir wirklich jeden Tag Zeit zum Beten genommen habe.

»Ich bin verbunden«, lautete das Motto der ersten Exerzitienwoche. Die Texte beschrieben eine große Dankbarkeit für die Schöpfung. Darin konnte ich mich gl

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