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Zwischenruf
Smileys und blinde Flecken

Kritische Gedanken zum missglückten Kirchentagslogo
von Wolfram Hülsemann vom 12.05.2017
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»Du siehst mich.« Wenn ich’s richtig verstehe, will das in der Hebräischen Bibel gefundene Motto des Evangelischen Kirchentags 2017 tiefe menschliche Lebenserfahrungen ansprechen. Aber ob die Besucherinnen und Besucher den Sinn dahinter verstehen? Ich denke nicht. Ich versteh’s ja selbst nicht so richtig. Meint dieser glotzäugige Smiley mich? Ist das vielleicht eine Botschaft von Orwells »Großem Bruder« – die Stasi kann’s doch nicht mehr sein? Mahnt mich eine religiöse Kleingruppe, den rechten Weg zu finden? Wer glotzt mich da eigentlich an? Sollen diese Mega-Knöpfe etwa Gottesaugen entsprechen? Unwillkürlich fielen mir die Beschreibungen aus der »Gottesvergiftung« des Psychoanalytikers und Religionskritikers Tilmann Moser ein: Der All-Gegenwärtige verfolgt selbst heimliches Schokolade-Naschen. Au Backe, der sieht mich. Und Strafe droht. Andererseits: Schlecht wäre es vielleicht nicht, wenn diese Botschaft die Herzen der Boni-haschenden Banker und Schadstoffexperten der Autoindustrie erreichte: DER sieht dich!

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