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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2015
Das Verschwinden der Freiheit
Der Sozialpsychologe Harald Welzer über die Bedrohung durch Google ...
Der Inhalt:

Buch des Monats: Und wo stehst du?

von Norbert Copray vom 08.05.2015
Pointiert und prägnant: Jean Zieglers Plädoyer für Solidarität weltweit

Jean Ziegler
Ändere die Welt!
Warum wir die kannibalistische Weltordnung stürzen müssen. C. Bertelsmann. 288 Seiten. 19,99 €

»Ändere die Welt, sie braucht es«, zitiert Jean Ziegler aus einem Gedicht von Bertolt Brecht und markiert damit das Anliegen, das sein Buch prägt: »Ändere die Welt!« Ist das noch denkbar angesichts des weltweiten Terrors, der Kriege und all der anderen Bewegungen, die sich die Welt gefügig machen wollen? Für Jean Ziegler, ehemaliger UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, emeritierter Soziologieprofessor in Genf und derzeit Vizepräsident des beratenden Ausschusses des UNO-Menschenrechtsrats, ist klar, wohin es gehen muss: Es braucht eine »Logik der Solidarität«, die Menschen- und Grundrechte schützt und sich auf wechselseitige und einander ergänzende Beziehungen stützt. Sie allein ist geeignet, sich der »Logik des Kapitals« von »Konfrontation, Krieg und Vernichtung« entgegenzustellen und sie zu überwinden.

Doch der Imperativ »Ändere die Welt!« lädt dem Einzelnen mehr auf, als er zu tragen vermag. Selbst Nationen können daran zerbrechen. Erschwerend kommt hinzu, dass sich weltweit eine reaktionäre, nationalistische, ausbeuterische und asoziale Koalition der Fundamentalisten, Rassisten, Judenhasser, Staatsverächter und -missbraucher aufbaut. Ziegler, der in zahllosen Engagements und in etlichen Büchern für Gerechtigkeit mit teils sehr zugespitzten Worten eingetreten ist, sieht vielfältige Ursachen für »das stetige Anwachsen« rechtsextremer Hass-Bewegungen. Neben der Front gegen die Globalisierung ist es vor allem die Rebellion gegen »die weltweite Diktatur der Oligarchien des globalisierten Finanzkapitals, die Existenz eines Weltmarkts, der nur seinen eigenen Gesetzen gehorcht, die als ›Naturgesetze‹ hingestellt werden«, gegen den »zum Dogma erhobenen Wettbewerb zwischen den Menschen und zwischen den Nationen«, gegen »das faktische Verschwinden eines öffentlichen Diskurses, der Werte wie Solidarität, Allgemeinwohl, öffentliche Dienstleistung und soziale Gerechtigkeit« hochhält, »dazu die konkrete Verunsicherung der individuellen Existenzen«.

Im Zentrum steht für ihn »die kannibalistische Weltordnung«, die die Ungleichheit der Menschen erzeugt. In seinem neuen Buch zieht er ein biografisch-ideelles Fazit, entfaltet linke und anregende Markt- und Gesellschaftskritik, verhilft zur Untersc

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