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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2015
Das Verschwinden der Freiheit
Der Sozialpsychologe Harald Welzer über die Bedrohung durch Google ...
Der Inhalt:

Streit um das Alte Testament

Der an der Berliner Humboldt-Universität lehrende Theologieprofessor Notger Slenczka hat eine heftige Debatte unter evangelischen Theologinnen und Theologen ausgelöst. Denn er fordert, das Alte Testament aus dem Kanon der biblischen Schriften herauszunehmen und lediglich als »apokryph« einzustufen, das heißt: als einen Text, der in der evangelischen Kirche keine normative Geltung beanspruchen sollte. Seine Begründung: Das Alte Testament sei ein Zeugnis »einer ethnisch gebundenen Stammesreligion« mit partikularem Anspruch und werde daher vom universalen Anspruch des Christentums überholt, wie er im Neuen Testament grundgelegt ist. Auch finde sich im Alten Testament keinerlei Theologie, die Jesus und die Kirche verkünde. Zur Sprache kämen religiöse Erfahrungen, insofern sei das Alte Testament »die reli gionsgeschichtliche Voraussetzung« für das Neue Testament.

Slenczka hatte seine Position bereits 2013 auf einer Theologen-Tagung vor getragen und dann veröffentlicht. Doch erst kürzlich schlug Friedhelm Pieper, evangelischer Präsident des Deutschen Koordinierungsrates der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit Alarm. Er sprach von einem »merkwürdigen Schweigen um einen handfesten theologischen Skandal im gegenwärtigen deutschen Protestantismus«. Es handle sich bei Slenczkas Forderung um eine »Neuauflage des protestantischen Antijudaismus« – ein Vorwurf, den der Berliner Theologe entschieden zurückweist. In einer Antwort auf eine Erklärung von fünf Kollegen seiner Fakultät, die seine Position als »theologisch inakzeptabel« bezeichnen, dreht der Theologe den Spieß um: Gerade dadurch, dass die Kirche das Alte Testament stets auf Christus hin gedeutet habe,