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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2013
Die Suchbürger
Evangelischer Kirchentag: Offen, freundlich, unentschieden
Der Inhalt:

Die neuen Götter

von Kristin Kupfer vom 17.05.2013
In China werden die Arbeitskräfte knapper, plötzlich
sind sie heiß begehrt und wertgeschätzt

In tiefer Verbeugung verharren die Manager im schwarzen Anzug am Fabriktor, während ihre Arbeiter im Blaumann durch das Tor hereinkommen, um ihren Schichtdienst anzutreten. Diese Bilder aus Chinas südöstlicher Stadt Taizhou machten Anfang März Schlagzeilen. Dadurch wolle man die Firmenhierarchie harmonisieren, um die Arbeiter an sich zu binden, erklärte ein Manager. Andere Unternehmer haben ihren Fabrikarbeitern bereits vor dem chinesischen Neujahrsfest Mitte Februar »Neujahrsgeld« für den Besuch in der Heimat ausgezahlt und Lohnerhöhungen von rund 15 Prozent versprochen. Eine koreanische Fabrik zahlt einen Bonus von bis zu sechzig Euro, wenn ihre Angestellten neue Arbeiter anwerben, berichtet die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua.

Chinas Ära als »Fabrik der Welt« geht zu Ende. Denn im Reich der Mitte werden die Arbeitskräfte knapp. 2012 ist die Bevölkerungsgruppe zwischen 15 und 59 Jahren laut offiziellen Statistiken erstmals geschrumpft, um rund 0,3 Prozent auf 937 Millionen Menschen. Nach Chinas bekanntestem Demoskopen Cai Fang nimmt der Arbeiterpool bereits seit 2011 ab. In einer von der offiziellen Parteizeitung Huanqiushibao zitierten Umfrage aus der fabrikdichtesten Provinz Guangdong vom März suchen 85 Prozent der befragten Unternehmen dringend mehr Arbeitskräfte, 88 Prozent planen deshalb Lohnerhöhungen. Die Provinzregierung hat zudem den monatlichen Mindestlohn bereits um 19 Prozent auf umgerechnet zehn Euro angehoben. »Chinas Arbeiter werden nun plötzlich zu ›Göttern‹«, titelt eine Sonderseite zum Thema Arbeitskräftemangel der Webplattform Tengxun.

Zhao Xiao ist dies gerade recht. Seit vier Jahren reist der 46-jährige Ökonom, promoviert an Chinas renommierter Peking-Universität, durch das Land, um sein Modell vom »Unternehmen des Reich Gottes« vorzustellen. Zhao ist Parteimitglied, ehemaliger Regierungsberater und gläubiger Christ. Seinen Hintergrund verschweigt er nicht, aber er konzentriert sich auf kritische Wirtschaftsanalysen und seine Mission von besserem Unternehmertum.

Zumeist spricht er darüber im Rahmen christlicher Unternehmerversammlungen, die vor allem in Chinas östlichen Küstenstädten, zugleich Hochburgen des Privatunternehmertums, entstanden sind. Den Begriff der »Chef-Christen« hat der Kulturwissenschaftler Chen Cunfu bei seinen Untersuchungen in der

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