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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2013
Die Suchbürger
Evangelischer Kirchentag: Offen, freundlich, unentschieden
Der Inhalt:

Ende des Männerklüngels

von Sigrid Harms vom 17.05.2013
In Norwegen gibt es eine gesetzlich verankerte Frauenquote für Aufsichtsräte: Den Unternehmen hat das gutgetan

In der Debatte um die Frauenquote in Aufsichtsräten börsennotierter Unternehmen sind es ausgerechnet die Frauen, die sich gegenseitig an die Gurgel gehen. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) widersetzt sich vehement einer Quote per Gesetz und vertraut darauf, dass die Wirtschaft freiwillig Frauen ins Boot holt. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen ist da ganz anderer Meinung. Sie will die Quote auf jeden Fall und war kurz davor, mit der Hilfe der Opposition ihre Einführung zu erzwingen. Das wiederum hat eine andere CDU-Frau auf die Palme gebracht: Erika Steinbach. Sie forderte die Arbeitsministerin zum Rücktritt auf.

In Norwegen, wo die Frauenquote bereits 2003 beschlossen wurde, wundert man sich über die Aufregung in Deutschland: »Bei uns redet keiner mehr über die Quote«, sagt Turid Elisabeth Solvang vom Norwegischen Institut der Aufsichtsratsmitglieder. »Frauen in den Vorständen sind völlig normal. Da geht es um Inhalte, nicht um das Geschlecht.«

Seit 2008 ist ein Anteil von vierzig Prozent Frauen in den Aufsichtsräten börsennotierter Unternehmen in Norwegen gesetzlich vorgeschrieben. Betrieben, die sich weigerten, die Quote einzuführen, wurde mit Zwangsauflösung gedroht. Doch dazu kam es nicht. Fast alle der damals 400 Börsen-Firmen erfüllten die Auflage innerhalb der zweijährigen Schonfrist, die letzten 77 schließlich nach einer Abmahnung.

Jünger und besser ausgebildet

Dabei wehte auch damals ein kräftiger Gegenwind aus der Wirtschaft. »Viele Betriebe malten ein Bild des Schreckens«, erinnert sich Marit Hoel. Sie leitet das Center for Corporate Diversity, das die Auswirkungen der Frauenquote auf die norwegische Ökonomie untersucht hat. Die Befürchtung war, dass die Aufsichtsräte durch die Frauen an Qualität verlieren. Doch fünf Jahre später hat sich der Rauch verzogen. »Die Frauen in den Vorständen sind in der Regel jünger, besser ausgebildet und gründlicher vorbereitet«, sagt Turid Elisabeth Solvang. In diesem Sinne seien sie eine Bereicherung für die Firmen. Die Wissenschaftlerin Marit Hoel bestätigt: »Die Qualität der Aufsichtsräte hat sich verbessert und in vielen Fällen auch die Unternehmensbilanz.« Die Kompetenz der Frauen werde nicht mehr infrage gestellt.

Dass die Firmen innerhalb von zwei Jahren geeignete Kandidat

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