Jesus, Buddha und wir
Was die »Gottessöhne« Jesus von Nazareth und Buddha erfahren haben, gelte für alle Menschen: alle seien »unbefleckt empfangen«, alle seien »Söhne und Töchter Gottes«, und alle würden als einzigartige Manifestationen des Göttlichen im Tod in diesen göttlichen Urgrund zurückkehren. Das lehrt der Benediktinerpater und Zen-Lehrer Willigis Jäger. Er betont damit die überzeitliche Bedeutung der religiösen Mythen, die alle etwas Zentrales über den Sinn eines jeden Menschenlebens aussagen wollten. Damit relativiert oder verneint Jäger im Kern zugleich die historischen Unterschiede – etwa zwischen Jesus und Buddha. Ist mithin irrelevant, was Jesus – gerade auch im Unterschied zu Buddha – gesagt und getan hat? Nein, sagt der evangelische Neutestamentler Bernd Kollmann. Für ihn ist bedeutsam, dass der eine das kommende und bereits angebrochene Reich Gottes predigt, der andere die Selbsterlösung aus dem Kreislauf des ewig Gleichen. Das also ist der Streit: Geht es immer um uns selbst in der Religion? Und also nicht um historische Persönlichkeiten mit unterschiedlichen »Botschaften« und somit auch unterschiedlicher Deutung?Steht der Mythos letztlich über allen Religionen?
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