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Brennender Dornbusch

Der Jesuit Christian Herwartz bricht mit 73 Jahren auf zu neuen Ufern. Vier Jahrzehnte lang öffnete er seine WG-Tür in Berlin für Hilfesuchende
von Vera Rüttimann vom 29.04.2016
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WG Herwartz« steht noch immer am Klingelbrett des Hauses Naunyn-Straße 60 im Berliner Bezirk Kreuzberg. Doch der Jesuiten-Pater wohnt hier nicht mehr. Der Mann, der mit seinem weißen Bart, seinen Tattoos vom brennenden Dornbusch und seiner wuchtigen Statur auch von den Punkern der nahen Szenekneipe »Trinkteufel – Tor zur Hölle« erkannt wird, schlägt ein neues Kapitel auf. Die Zeit sei reif für einen Generationswechsel. Fast vier Jahrzehnte war die von ihm mitgegründete offene Wohngemeinschaft ein Ort, an dem Menschen aus vielen Ländern und Religionen eine Heimat finden konnten. Entweder weil sie sich körperlich, materiell oder religiös in einer Notlage befanden oder weil sie aus Interesse hier mitleben mochten. 400 Menschen aus 61 verschiedenen Ländern durchliefen die WG, vor zwölf Jahren auch die Autorin dieses Textes. Sie haben mit Christian Herwartz gelacht, gestritten – und manchmal auch geweint. Unzählige Anekdoten ranken sich um dieses einmalige Projekt. Das Zusammenleben fand und findet auf einem schmalen Grat statt. Niemand wird gefragt, woher er kommt und warum er da ist. Große Nähe und große Offenheit auf engstem Raum. Herwartz, der in einem Siebenbett-Zimmer schlief, bilanziert: »Wie man Öffentlichkeit und Verschwiegenheit in diesem doch sehr intimen Raum zusammenbrachte und so lange aufrechterhielt, das war schon sehr verwunderlich.«

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