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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2015
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Sklaverei ist längst nicht ausgestorben
Der Inhalt:

Bürgerticket für alle

von Joachim Wille vom 24.04.2015
Einfach einsteigen in Bus oder Bahn und losfahren. Egal wohin. Die Fahrt ist bereits bezahlt. So wollen Bürgerinitiativen die Alternative zur Autogesellschaft stärken

Kein Ticketkauf, keine Fahrkartenautomat, keine nervige Sparpreis-Jagd am Computer, keine Kontrolleure. Einfach einsteigen in Bus oder Bahn – und losfahren. Egal wohin. Mit der Trambahn in die City, mit dem Regionalzug in die nächste Kreisstadt, mit dem ICE quer durch die Republik. Das »Bürgerticket« soll es möglich machen. So versprechen es zumindest die Befürworter dieses neuen Mobilitätsmodells. Ihr Ziel: Der Aufbau einer echten Alternative zum autozentrierten Verkehrssystem.

Eine Utopie? Noch, aber nach Ansicht seiner Verfechter eine machbare. Das Bürgerticket würde allen Bürgern den unbegrenzten Zugang zu sämtlichen öffent lichen Verkehrssystemen öffnen und überall im Land gelten, vom Stadtbus an der Haltestelle vorm Haus bis zum Schnellzug der Deutschen Bahn. Das bisherige Modell, bei dem jeder Nutzer ein Ticket für die jeweilige Strecke oder eine Zeitkarte lösen muss, würde ersetzt durch einen fahrscheinlosen öffentlichen Verkehr – finanziert durch Beiträge aller Bürger und Unternehmen sowie aus der Grundsteuer.

Nach Schätzungen des Trierer Verkehrsforschers Heiner Monheim würden für einen deutlich ausgebauten öffentlichen Verkehr rund hundert Milliarden Euro pro Jahr gebraucht. Ein Drittel davon müssten nach seinem Modell die Bürger selbst aufbringen. Ihr Beitrag läge bei 400 Euro pro Kopf und Jahr, also rund 33 Euro pro Monat. Es wäre eine Art Zwangsumlage, vergleichbar mit den Semestertickets für Studenten oder dem Rundfunk-Beitrag: Jeder müsste zahlen, auch wenn er Bus und Bahn nicht oder nur wenig nutzt.

Als Finanzquelle für ein weiteres Drittel schlägt der Professor eine Nahverkehrsabgabe nach französischem Vorbild vor (»Versement Transport«), die von Unternehmen zu zahlen wäre. Die Wirtschaft akzeptiere diese Regelung dort, so Monheim, da die Unternehmen weniger Parkplätze für die Mitarbeiter bauen müssten. Zudem gebe es deutlich weniger Staus. Das dritte Drittel würde nach diesem Konzept über einen Aufschlag auf die Grundsteuer erbracht – nach dem Muster der schon bisher für Neubauten kassierten Erschließungsbeiträge. Begründung: »Eine gute Erreichbarkeit mit öffentlichem Verkehr steigert den Wert der Grundstücke, ohne dass die Grundeigentümer als Nutznießer dafür zahlen«, sagt Heiner Monheim.

Er fordert die Verkehrsministerien von Bund und Ländern sowie die Verkehrsverbünde auf, Modellrechnungen für ein Bürgerticket anzuste

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