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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2014
Gefährliche Lust
Was tun mit Pädophilen?
Der Inhalt:

Starker Mann mit Blut an den Händen

von Dominik Müller vom 25.04.2014
In Indien drängt der neoliberale Hindu-Nationalist Narendra Modi an die Macht – trotz seiner umstrittenen Rolle bei einem Massaker an Muslimen

Hat der Spitzenkandidat nun dazugelernt oder will er nur kritischen Fragen ausweichen? Auf jeden Fall merkten die Medien auf, als Narendra Modi in die Menge rief: »Ein armer Hindu muss sich gegen Armut wehren ebenso wie ein armer Muslim. Lasst uns die Armut doch gemeinsam bekämpfen!« Dass der bekennende Hindu-Nationalist und Spitzenkandidat der Indischen Volkspartei BJP, Narendra Modi, auf einer Wahlkampfveranstaltung die Einheit der Religionen beschwört, ist ein seltenes Ereignis. Für Narendra Modi und seine Gesinnungsgenossen ist Indien in erster Linie ein Land der Hindus. Ihnen hätten sich Angehörige anderer Religionen unterzuordnen. Und dies gilt insbesondere für Narendra Modi, den Chefminister des Bundesstaates Gujarat, den viele Inder bis heute »Killer-Modi« nennen – eine Anspielung auf ein Massaker an der muslimischen Minderheit im Jahr 2002, die er damals als Regierungschef dieses Bundesstaates geschehen ließ und indirekt sogar rechtfertigte.

Doch jetzt gilt er als Favorit für den Posten des Premierministers in der größten Demokratie der Welt. Bis Anfang Mai sind 815 Millionen Inder aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Als Kandidat für den Posten des Premierministers wägt Narendra Modi seine Worte inzwischen genau ab. Zumindest in Bundesstaaten wie Bihar, in denen viele Muslime leben, versucht er mit dem Bekenntnis zur Einheit der Religionen auch einige Stimmen dieser Glaubensgemeinschaft zu gewinnen, die seiner Partei skeptisch gegenübersteht. Denn: Mehr als 150 Millionen der 1,2 Milliarden Inder sind Muslime.

Viel steckt jedoch nicht dahinter. Bei einer Kundgebung im Bundesstaat Uttar Pradesh setzt Narendra Modi gleich wieder auf religiöse Spaltung. Vor 100 000 Anhängern sprach er zunächst über die wirtschaftliche Entwicklung Indiens. Schließlich rühmt er sich für das hohe Wirtschaftswachstum in seinem Bundesstaat Gujarat. Aber schließlich bemühte er die altbekannten Stereotype. Er wirft der regierenden Kongress-Partei vor, sich nur um 25 Prozent der Bevölkerung zu kümmern und die restlichen 75 Prozent zu ignorieren. Seine Zuhörer verstehen diese Anspielung: 25 Prozent – das sind die religiösen Minderheiten.

Vor dem Auftritt Modis ehrt der Vorsitzende der Indischen Volkspartei des Bundesstaates Uttar Pradesh unter großem Beifall der Anwesenden zwei Abgeordnete seiner Partei und hängt ihnen Blumenkränz

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