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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2013
Landraub
Der globale Kampf um Boden fordert Opfer
Der Inhalt:

Vom Luftschloss zum Wohnschloss

von Irene Dänzer-Vanotti vom 26.04.2013
Zwölf Erwachsene und zwölf Kinder leben gemeinsam im alten Getreidespeicher: Wie aus einer Kleinanzeige in Publik-Forum die Kommunität Beuggen entstand

Gelebtes Christsein kann nur in einer Gemeinschaft gelingen, da ist sich Maria Jürgens-Hofmann sicher: »Jesus saß auch nicht alleine herum und verkroch sich abends in sein Zelt!« Deshalb ist die 48-jährige Lehrerin froh, dass sie die Kommunität Beuggen gefunden hat. Das Jahr als Anwärterin hat sie gemeinsam mit ihrem Sohn Elias bereits überstanden, nun wünscht sie sich, in die Gemeinschaft aufgenommen zu werden. Ihr Blick wandert durch den Gemeinschaftsraum, streift die aufgeräumte Gemütlichkeit mit Sofa und Sesseln, registriert den Blechkuchen, der mit Gläsern und Kaffeebechern einladend auf dem Tisch steht, und bleibt an den Mitgliedern der Kommunität hängen, die in angeregter Unterhaltung zusammensitzen. Vom Hof schallt Kindergeschrei, ein Baby ist auf der Schulter seines Vaters eingeschlafen und seufzt leise im Traum. Es ist das Kind von Jörg Hinderer, einem der Gründer der Kommunität.

Die Sitzgruppe im Gemeinschaftsraum ist eines der drei Zentren der Gruppe, die auf dem Gelände von Schloss Beuggen in der Nähe von Lörrach und Basel lebt. Das zweite Zentrum ist der gemeinsame Esstisch und das dritte der Gebetsraum über der Barockkirche. Der vierte wichtige Raum ist die eigene Wohnung, als Rückzugsort, allein oder als Familie. Gemeinschaft mit Individualität, christliche Rituale mit Geselligkeit, geteiltes Geld mit individuellen Einkünften und tätige Nächstenliebe als Gruppenaufgabe mit allen anderen Anforderungen des Alltags zu verbinden, das ist das Ziel der Kommunität. Ihr gehören zwölf Erwachsene und zwölf Kinder an. Die meisten Mitglieder waren zuvor lange auf der Suche nach einem Gemeinschaftsmodell, das für sie passt. Und einige der Kinder, die hier leben, wären nicht zur Welt gekommen, wenn es Beuggen nicht gäbe – und Bullerbü könnte nicht schöner sein als die Schlossanlage mit Kirche, Park und einem kleinen Sandstrand am Rhein.

Der fließt direkt vor dem Fenster des Gemeinschaftsraums. Er hat soeben mit Getöse den Rheinfall von Schaffhausen passiert und strömt hier gebändigt, dunkelgrün einer Staustufe vor Basel entgegen, vorbei an Schloss Beuggen. Der Deutsche Orden, jener 1190 zur Kreuzzugszeit ursprünglich als Spitalbruderschaft gegründete Ritterorden, vollendete hier vor 750 Jahren eine erste Burg. Eine Schlosskirche in gemäßigtem Barock ergänzte später das Bauwerk.

Am Anfang des Kommunitäts-Projekts stand eine Anze

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