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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2013
Landraub
Der globale Kampf um Boden fordert Opfer
Der Inhalt:

Kapitulation vor dem Dogma

von Norbert Copray vom 26.04.2013
Beschneidung von Jungen: Es sollte weiter debattiert werden

Tilman Jens
Der Sündenfall des Rechtsstaats
Eine Streitschrift zum neuen Religionskampf. Aus gegebenem Anlass. Gütersloher Verlagshaus. 128 Seiten. 14,99 €

Eine Streitschrift hat polemische Anteile. Sie tritt entschieden für eine bestimmte Sichtweise ein und bestreitet zugleich entgegengesetzte Positionen. Das gilt erst recht für die Streitschrift von Tilman Jens. Denn nach der neuen Gesetzgebung zur Beschneidung ist die Debatte dazu rasch erlahmt. Doch den Argumenten gegen die Beschneidung sollte noch einmal entschiedener nachgegangen werden. Denn jene Stimmen in Judentum und Islam, die eine liberalere, kritischere Haltung zur Beschneidung vertreten als die Mehrheit, finden dort kaum Gehör.

Massiv ist daher die Kritik von Tilman Jens am Gesetzesprozess, an der Gesetzesbegründung und am Gesetz selbst. Er bezeichnet die legalisierte Beschneidungspraxis als einen Rückfall hinter das Grundgesetz. Der Journalist, Filmemacher und Buchautor sieht eine »Koalition der Frommen« am Werk, die den Rechtsstaat zu ihren Gunsten beschränkt, und das auch noch mit Zustimmung der gewählten Volksvertreter. Jens bestreitet energisch, dass dies legal und legitim sei. Und nimmt es als exemplarischen Fall dafür, wenn das Grundgesetz der religiösen Praxis oder Lehre unterworfen wird. Denn wer dem Beschneidungsgesetz nicht zustimmte, »wurde verfolgt als Gotteslästerer oder Antisemit«.

Jens sieht bei den Politikern eine »Kapitulation vor religiösen Dogmen«, den Rückfall in eine vor-rechtsstaatliche Zeit, in der das kirchliche und religiöse Recht die Spitze der Rechtsordnung darstellte. Er geht den verschiedenen Argumenten und Begründungen nach, die die Politik, aber auch große Teile der Öffentlichkeit sowie die Kirchen und Glaubensgemeinschaften dazu gebracht haben, die geltende Rechtsordnung zu umgehen oder in bestimmten Punkten mithilfe politischer Kräfte zu überwinden.

Und er fragt: »Was eigentlich wäre, wenn das Beispiel Schule machte und die Politik gottgehorsam künftig nicht nur die Genesis, sondern auch andere Heilige Schriften wortwörtlich befolgte? Was zum Beispiel wäre, wenn das Gebot der Tora, dieses Auge um Auge, Zahn um Zahn, Teil der Straßenverkehrsordnung würde? Und wie ist das mit der oft zitierten Sure 3:34 aus dem Koran? Die gibt den Männern einschlägige Unterweisungen fürs probate Miteinander der Ge

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