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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2010
Papstkirche am Abgrund
Ein Bischof sagt, was sich jetzt ändern muss
Der Inhalt:

Eine Machtclique wird entlarvt

von Norbert Copray vom 23.04.2010
Wie der Vatikan funktioniert – und der Papst profitiert

Hanspeter Oschwald Im Namen des Heiligen Vaters Wie fundamentalistische Mächte den Vatikan steuern. Heyne. 384 Seiten. 19,95 €

Die jahrzehntelange und gegenwärtige Strategie der katholischen Kirche im Umgang mit Missbrauch und Misshandlung durch ihre Priester bleibt unerklärlich, wenn man nicht hinter die Mauern des Vatikans schaut. Denn in der Tat handelt es sich beim Vertuschen, Hinhalten, Herunterspielen und bei der Medienschelte um Elemente einer Gesamtstrategie. Seit dem reformfreudigen Zweiten Vatikanischen Konzil Mitte der 1960er-Jahre hat sich ein reformunwilliges, reaktionäres und rechthaberisches Netzwerk in der Kirche etabliert. Es will vor das Konzil zurück, will maximalen Einfluss auf die Gesellschaften in der Welt haben sowie andere Religionen und Konfessionen dominieren. Und Papst Benedikt ist der Repräsentant dieses Netzwerkes, das aus vielen Teil-Netzwerken und teilweise abartigen Praktiken besteht. Unglaublich?

Das neue Buch »Im Namen des Heiligen Vaters« vom Vatikan-Kenner, Journalisten und Autor Hanspeter Oschwald klärt nicht nur darüber auf, »wie fundamentalistische Mächte den Vatikan steuern«. Vielmehr belegt er auch die Einstellungen, Ereignisse und Praktiken, was einer mehr als vierzigjährigen gründlichen Recherchearbeit zu verdanken ist.

Konstruiert Oschwald eine Verschwörungstheorie, wenn undurchsichtige oder zufällige Ereignisse in eine Richtung weisen? Mitnichten. Seit mehr als vierzig Jahren werden klare Entscheidungen getroffen, eine richtungsweisende Personalpolitik betrieben, eine Glaubens- und Morallehre sowie bestimmte Kreise, Institutionen und Personen bevorzugt, die im Ergebnis katholischen Fundamentalismus, moralische Arroganz und frömmelnden Traditionalismus erzeugen. Oschwald nennt nicht nur Ross und Reiter. Er entwickelt auch die Kriterien für eine Beurteilung der vatikanisch-katholischen Vorgänge, beschreibt auch für Außenstehende die Seilschaften und Machtprozesse und dürfte auch für katholische Kirchgänger eine Menge neuer Informationen vermitteln.

Vor allem verortet Oschwald Joseph Ratzinger, vormals Leiter der vatikanischen Glaubensbehörde und heute Papst Benedikt, in diesem Geflecht aus reaktionären und rechten kirchlichen Gruppen. Benedikt ist einerseits kein fähiger Organisationsführer, andererseits gibt er den klerikalen Hardliner und ist damit ein ideal

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