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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2010
Papstkirche am Abgrund
Ein Bischof sagt, was sich jetzt ändern muss
Der Inhalt:

Ein heißes Eisen

von Wolfgang Kessler vom 23.04.2010
Grundeinkommen: Ein Dorf in Namibia und die deutsche Debatte

Ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle – das ist das heißeste Eisen unter den alternativen wirtschaftspolitischen Konzepten. Mehr als 50 000 Leute haben in einer Petition an den Deutschen Bundestag für ein solches Grundeinkommen plädiert. Kirchliche Verbände wie die Katholische Arbeitnehmer Bewegung oder der Bund der Deutschen Katholischen Jugend verlangen es ebenfalls, Bischof Reinhard Marx, ein Sozialethiker, ist strikt dagegen. Die Bündnis-Grünen streiten seit vielen Jahren darüber. In der Linkspartei gibt es viele Anhänger dieses Konzepts, manche auch in der Union. Die Gewerkschaftsmitglieder der IG-Metall oder jene von ver.di plädieren mehrheitlich für eine offene Diskussion über dieses Konzept – ihre Funktionäre lehnen es ebenso ab wie die meisten Politiker in höheren Ämtern.

Angesichts dieser heißen Debatte fragen viele, was sie von den Erfahrungen in Namibia lernen können. Die meisten sagen: Nichts, schließlich seien die Verhältnisse in einem afrikanischen Dorf nicht mit der deutschen Situation vergleichbar. Doch das stimmt nicht. Namibia deutet zumindest die Chancen eines Grundeinkommens an, aber auch die Risiken.

So widerlegen die namibischen Erfahrungen das Vorurteil, wonach sich Menschen auf die faule Haut legen, wenn sie Geld ohne Arbeit bekämen. Während das Disziplinierungsmodell Hartz IV die Menschen tatsächlich lähmt, haben die zehn Euro die namibischen Dörfler erst richtig aufgeweckt. Es wuchs vor allem das Selbstbewusstsein jener, die bisher wenig zu sagen hatten: der Frauen. Und nicht nur dies: Mit dem Selbstbewusstsein vieler Einzelner wuchs auch der Zusammenhalt im Dorf. Ein Grundeinkommen könnte die Gemeinschaft fördern.

Das gilt allerdings nicht für alle. Manche – vor allem jüngere – Männer haben das Geld gleich versoffen. Die Gefahr der Spaltung in einen aktiven Teil der Bevölkerung und einen – allerdings kleinen – Teil, der nur am Geld interessiert ist, besteht. Klar ist, dass ein Grundeinkommen von vielen Fördermöglichkeiten, Bildungsangeboten und auch Sanktionsmöglichkeiten begleitet sein muss. Im Großen und Ganzen wachsen mit einem Grundeinkommen die Chancen, möglichst viele Menschen an den verschiedenen Formen von Arbeit und am gesellschaftlichen Reichtum zu beteiligen – ein Ziel, das in der Erwerbsarbeitsgesells

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