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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2010
Papstkirche am Abgrund
Ein Bischof sagt, was sich jetzt ändern muss
Der Inhalt:

Der fleißige Außenseiter

von Christoph Fleischmann vom 23.04.2010
Noam Chomsky, einer der radikalsten Kritiker der US-Politik, erhielt in Stuttgart den Erich-Fromm-Preis. Eine Begegnung

Bescheiden sitzt er da in seinem Pulli. Dass er vor nur 25 Journalisten in einem kleinen Raum des Stuttgarter Landtages redet, scheint ihn nicht zu stören, er würde auch nicht anders reden, wenn hier 2500 Zuhörer säßen. Leise und freundlich redet der 81-Jährige. Doch: Wie ein Buchhalter zählt er immer wieder die Schandtaten der amerikanischen Außenpolitik der letzten sechzig Jahre auf, mit der die USA die eigenen Interessen mit offener oder verdeckter Gewalt und ohne Bindung an irgendeine Moral durchsetzten. Letztlich gipfeln seine Analysen vor allem in eine These: Die US-Außenpolitik schaffe erst die Feinde, die sie zu bekämpfen vorgebe. Daher müsse man die Frage stellen, ob das nur ein Versehen sei oder beabsichtigt.

Auf jede Frage folgt ein kleiner Vortrag. Mit einem eingeschobenen »Ich weiß nicht, wie weit Sie das verfolgt haben« leitet er manche seiner Kurzvorträge ein. Chomsky hat »das« alles so gründlich verfolgt und so oft aufgeschrieben oder erzählt, dass ihm auch Zahlen und Zusammenhänge aus vergangenen Jahrzehnten ohne Stichwortzettel präsent sind. Aus der Vielfalt der Fälle aber kristallisieren sich in seinen Analysen immer wieder dieselben Konstellationen heraus: Außer den USA scheint es keine weiteren wesentlichen Akteure auf der Weltbühne zu geben: Nur Amerikas Gegner und seine Vasallen. Das heißt, dass auch Deutschland eine wenig heroische Rolle zugewiesen bekommt. Letztlich tue die deutsche Regierung das, was »der große Bruder« von ihr fordere. Ausnahmen wie das Nein zum Irak-Krieg bestätigen für Chomsky wohl nur die Regel.

Die Obama-Begeisterung in Europa quittiert Chomsky denn auch eher uncharmant. Süffisant meint er, die Europäer würden den republikanischen Kandidaten einfach als »Leutnant«, also Befehlsempfänger, wahrnehmen und den Demokraten Obama als »Partner«. Der Unterschied sei deshalb nur eine Frage der Höflichkeit. Allerdings wollte auch Chomsky Unterschiede zwischen John McCain und Barack Obama offenbar nicht ganz ignorieren. Er unterstützte zwar im Wahlkampf 2008 den grünen Präsidentschaftskandidaten Ralph Nader. Zum Entsetzen von radikalen Oppositionellen forderte Chomsky jedoch die Wählerinnen und Wähler in Staaten mit Kopf-an-Kopf-Rennen am Ende auf, für Obama zu stimmen.

Für seine Analysen braucht Chomsky keine Schärfe und keine Anklage. Er erzählt einfach das, was er für die Fakten hält: So ist es nun mal, mehr nicht. Nur manchma

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