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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2015
Und der Mensch schuf das Netz
Gott in der digitalen Revolution
Der Inhalt:

»Militanz der Menschlichkeit«

von Markus Dobstadt vom 10.04.2015
Die Blockupy-Proteste werfen eine alte Frage neu auf: Ist Gewalt gegen das kapitalistische System erlaubt?

Es hätte das Bild des Tages werden können: Vier Fassadenkletterer erklimmen am 18. März die Glaswand eines Frankfurter Hochhauses und befestigen ein Spruchband mit der Aufschrift: »Kapitalismus tötet«. Es ist der Tag des großen Blockupy-Protests gegen die Eröffnung der Europäischen Zentralbank. Doch die waghalsige Aktion geht völlig unter, weil in der Berichterstattung in den Medien etwas anderes dominiert: die Bilder von der enormen Gewalt. Zur Bilanz gehören sieben ausgebrannte und 55 beschädigte Polizeiautos, zerstörte Bushaltestellen, eingeschmissene Fenster und Brände auf offener Straße. Laut Polizei geht der Schaden in die Millionen. Die Republik ist geschockt, auch wenn die übergroße Mehrheit der Blockupy-Demonstranten friedlich war. Vielfach wird die Gewalt verurteilt. Blockupy distanziert sich, doch nicht durchgehend.

Einen Tag lang stellte Blockupy, ein Bündnis von rund 90 Gruppen, die Politik von Europäischer Zentralbank, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Kommission an den Pranger. Während der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir von Bündnis 90/Die Grünen bei der Eröffnungsfeier der EZB von einem »guten Tag für die EZB und für Frankfurt« sprach, zählen die Demonstranten die Opfer der Sparpolitik auf: die enorme Jugendarbeitslosigkeit in Südeuropa, die hohe Säuglingssterblichkeit in Griechenland, die Zahl von mehr als einer halben Million Menschen, die in Spanien aus ihren Wohnungen vertrieben worden seien, weil sie die Miete nicht zahlen konnten.

»Ihr seid die wahren Randalierer«, warf die kanadische Journalistin und Kapitalismuskritikerin Naomi Klein den Verantwortlichen in Wirtschaft und Politik vor: »Ihr verbrennt keine Autos. Ihr verbrennt den ganzen Planeten«, sagte sie mit Hinweis auf den Klimawandel, den eine neoliberale, auf ständiges Wachstum ausgerichtete Politik rasant befördert. Doch was folgt daraus? Kann gewalttätiger Protest eine angemessene Reaktion sein auf institutionelle Gewalt?

Was Blockupy heute bewegt, hat Gregor Böckermann von den Ordensleuten für den Frieden schon vor Jahrzehnten erzürnt. In diesem Juni ist es 25 Jahre her, dass die Vereinigung mit ihren monatlichen Mahnwachen vor der Deutschen Bank begann. »Sie ist

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