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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2015
Und der Mensch schuf das Netz
Gott in der digitalen Revolution
Der Inhalt:

Brauchen die Medien neue Regeln?

von Eva-Maria Lerch vom 10.04.2015
Nachgefragt: Fragen an den Journalisten Joachim Frank zur Berichterstattung über den Absturz der Germanwings-Maschine

Publik-Forum: Herr Frank, wie haben Sie als Journalist den Flugzeugabsturz der Germanwings-Maschine in den Alpen erlebt?

Joachim Frank: Zuerst kamen die menschlichen Reflexe: Entsetzen und Trauer. Fünf Minuten später lief die journalistische Routine an: Wir schickten unseren Pariser Korrespondenten zur Unfallstelle, weitere Kollegen zum Flughafen, zur Lufthansa. Wir planten unsere Seiten um. In solchen Situationen hat eine Redaktion viel zu tun.

Wie bewerten Sie die Berichterstattung in den Medien über diese Katastrophe?

Frank: Der französische Staatsanwalt hat aus meiner Sicht viel zu früh den Namen und Wohnort des Co-Piloten bekanntgegeben, der das Flugzeug zum Absturz gebracht hat. So eine Veröffentlichung führt heute automatisch dazu, dass alle Welt den Namen bei Facebook eingibt und auf private Fotos stößt. Da standen dann gleich die Kamerateams vor dem Elternhaus des Co-Piloten, aber man fragt sich, welchen Informationswert das hat.

Wo sehen Sie selbst die Grenze zwischen Information und Voyeurismus?

Frank: Da plädiere ich für eine Entscheidung nach dem Umkehrprinzip: »Würde ich diese Information, dieses Bild auch dann in die Zeitung setzen, wenn ich selbst der Betroffene wäre?«

Tragen die Leser und Zuschauer eine Mitschuld an dem Katastrophenhype?

Frank: Zu so einem Medienhype gehören immer zwei: Das Publikum, das auf Sensationen aus ist. Und die Medien, die sie bedienen. Medienschelte und Journalistenbashing haben deshalb etwas Unehrliches. Wenn die Bild-Zeitung weniger Exemplare verkaufen würde, sobald sie Fotos weinender Angehöriger oder – wie jetzt – Bilder des Unglücks-Piloten bringt, wäre es damit bald vorbei.

Als Vorsitzender der Gesellschaft Katholischer Publizisten (GKP) schlagen Sie nun eine Selbstverpflichtung der Qualitätsmedien vor. Wie könnte die aussehen?

Frank: Ich stelle mir eine Art Checkliste vor, die in jeder Redaktion für den Katastrophenfall in der Schublade liegt. Darin werden kritische Fragen zur Berichterstattung festgeschrieben: »Lassen wir die Opfer in Ruhe trauern?« »Halten wir uns f

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