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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2013
Tödliche Hetze
Sozialethiker Friedhelm Hengsbach: »Wir brauchen Zeitrebellen«
Der Inhalt:

Waffen für den Widerstand?

vom 12.04.2013
Syrien. Das Leid nimmt kein Ende. Die Freiheit ist in weite Ferne gerückt. Assad liquidiert das Volk mit Bomben, das Land wird zum Spielball fremder Mächte. Sollten wir den syrischen Widerstand mit Waffen unterstützen? Ein Pro und Contra von Rupert Neudeck und Wolfgang Geffe

Rupert Neudeck: Ja, aber nur über die UN-Weltpolizei

Die politische Welt quält sich mit den falschen Fragen ab. Waffen werden freigiebig von Deutschland in alle Himmelsrichtungen gegeben. Nur wenn es mal eine kleine, noch nicht national (und international) bewährte Befreiungsbewegung gibt, dann stellen wir uns auf ein Podest und sagen feierlich: Nein, denen können wir aber keine Waffen geben! Saudi-Arabien dagegen immer, Israel auch immer. Aber: Nicht der Freien Syrischen Armee (FSA).

Wir haben versäumt, die UNO und ihren Generalsekretär mit dem Kommando über seine Blauhelmtruppe zu beauftragen. Auf Dauer braucht die einzige Weltgemeinschaft eine eigene Weltpolizei. Niemand, auch nicht der Extrem-Pazifist, wird sich gegen die Existenz einer Polizei in Deutschland wie in der Welt aussprechen. So brauchen wir auf Dauer einen Generalsekretär, der auf Anweisung der Weltgemeinschaft seine Blauhelmtruppe – auch sofort – nach Syrien (und nach Mali) beordern kann, um dort die Bevölkerung zu schützen. Der inzwischen verstorbene SPD-Mann Hans-Jürgen Wischnewski erzählte mir einst von seinem Plan, Deutschland zu dem ersten Land zu machen, das dem UN-Generalsekretär ein solches Truppenkontingent zur Verfügung stellen könnte.

Diese Truppe hätte unter Kofi Annan und später Lagdar Brahimi nach Syrien gehen und die Bevölkerung beschützen sollen. Das hat man verpennt in der Zeit, als der Widerstand in Syrien noch gewaltlos war. Man sollte humanitäre Korridore für Hilfsgüter und zurückkehrende Flüchtlinge wie damals 1992 zwischen der Türkei und dem Irak vom UN-Sicherheitsrat genehmigen lassen. Und man sollte in den Zeiten des aktuellen Terrors auch Waffen an die FSA geben. Doch bisher fehlt es an der Bereitschaft, die Syrer zu schützen.

Wolfgang Geffe: Nein, mehr Waffen verschärfen nur die Gewalt

Nein, ich bin nicht für Waffen. Die Revolution in Syrien wird getragen von der Sehnsucht vieler Menschen nach Freiheit und nach Chancen auf ein würdiges Leben. Wer die ursprünglichen Ziele der Revolution ernst nimmt, muss für ein gewaltfreies Handeln plädieren, denn ein militärischer Sieg trüge die Saat des Extremismus und der Rache in sich. Gewaltfreies Vorgehen ermöglicht stattdessen einer größeren Zahl von Bürgern die Teilnahme am Prozess der Wandlung und erhöht die Wahrscheinlichkeit

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