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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2013
Tödliche Hetze
Sozialethiker Friedhelm Hengsbach: »Wir brauchen Zeitrebellen«
Der Inhalt:

Die Ballkönigin

von Susanne Stiefel vom 12.04.2013
Begegnung mit einer Friedensstifterin: Fatuma Abdulkadir Adan setzt in Kenia Fußball als Mittel zur Versöhnung ein

Sie weiß, dass Fußball oft mehr ist als bloß ein Spiel. Sie weiß, dass ein Ball mehr ins Rollen bringen kann als zähe Verhandlungen. Für ihr gewitztes Engagement in der Konfliktregion Marsabit erhielt die kenianische Anwältin Fatuma Abdulkadir Adan den Friedenspreis der Stuttgarter Anstifter.

Sie freut sich mit einem großen Lachen. Mit diesem typischen Lachen, das sie auch in schwierigsten Situationen nicht verlässt. Zum Glück gibt es auch im schwer zugänglichen Norden Kenias Skype. Und so ist dieses unverwechselbare Fatuma-Lachen auch in Stuttgart zu sehen, als sich Fatuma Abdulkadir Adan im fernen Marsabit über die Auszeichnung freut. Sie redet nicht vom Geld. Sie redet nicht von sich. Sie redet von den Freiwilligen und den vielen Kindern, mit denen die 35-Jährige seit Jahren arbeitet, und davon, was ihnen dieser Preis im fernen Deutschland bedeutet. Sie redet von ihrer Heimatstadt Marsabit, aus der bisher eher Kriegs- als Friedensbotschaften nach außen gedrungen sind. »Danke, dass ihr uns eine Stimme gegeben habt«, sagt die 35-Jährige via Skype und winkt Kopf an Kopf mit der 15-jährigen Anna.

Anna, die sie manchmal voller Begeisterung »Francesc Fábregas« nennen, weil sie Pässe spielt wie keine Zweite. Anna ist einer von vielen Gründen, warum Fatuma Abdulkadir Adan kämpft – für Frauenrechte und für Frieden.

Annas Zukunft endete an einem Sonntag 2009. Die 13-Jährige war auf dem Heimweg von der Kirche in Marsabit. Ihre Mutter wollte noch eine kranke Freundin besuchen. Das letzte Stück Weg ging das Mädchen allein. Nur wenige Meter vor dem schützenden Tor schlugen sie zu: fünf Männer, die die schreiende Schülerin ins Auto zerrten. Sie banden ihr die Augen zu, sie hielten sie zwei Tage und zwei Nächte gefangen, Anna weiß bis heute nicht, wo. Sie spricht nicht darüber, was alles geschah während dieser zwei Tage und Nächte. Danach war die Schülerin schwanger, zwangsverheiratet mit einem Mann, der doppelt so alt ist wie sie – und an Schulbesuch war nicht mehr zu denken. Dabei wollte Anna lernen, um einmal ihre Mutter unterstützen zu können.

Solche Entführungen sind in Marsabit gängige Praxis. »Zwangsheirat ist eine schreckliche Tradition«, sagt Fatuma. Eine Tradition, die die Anwältin bekämpft, indem sie sich für Bildung einsetzt und damit für Aufklärung. Indem sie mit den Mädchen Fußball

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