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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2012
Russisch Roulette im Labor
Die falschen Versprechungen der grünen Gentechnik
Der Inhalt:

Russisch Roulette imLabor

von Albrecht Kieser vom 04.05.2012
Die falschen Versprechungen der grünen Gentechnik: Sie sollte die Ernten steigern und den Hunger bekämpfen. Stattdessen schafft sie neue Bedrohungen. Doch der Widerstand von unten wächst

Grün ist die Farbe der Hoffnung. Nicht aber die der agrarischen Gentechnik. Denn auch wenn ihre Lobbyisten ihr gerne ein naturnahes Mäntelchen umhängen und sie als »grün« bezeichnen, schürt sie mehr Ängste als Hoffnungen: Mehr als drei Viertel der Bauern und der Bevölkerung sind gegen Pflanzen aus der Gen-Kanone. Tendenz steigend. Für diese Skepsis gibt es gute Gründe. Die Folgen der agrarischen Gentechnik für Umwelt, Tiere und Menschen sind besorgniserregend.

Landwirt Jörg Piprek schwingt den Hammer. In seiner Werkstatt richtet er das Gestänge der Sämaschine. Es dröhnt und scheppert. Das Telefon im Büro nebenan klingelt. Piprek wischt sich seine Hände am Blaumann ab und eilt hinüber. Er erwartet den Anruf seines Saatguthändlers. Es gibt Probleme.

650 Hektar Ackerfläche bewirtschaftet Agraringenieur Piprek im Bundesland Brandenburg, vierzig Kilometer östlich der Berliner Stadtgrenze. Auf seiner Landfarm Hohenstein GmbH hat er 2005, als einer der Ersten, gentechnisch veränderten Mais angebaut. Seitdem hat er Probleme mit Nachbarn, im Dorf, mit Gentechnik-Kritikern. Aber was sich der kräftige Mann in den Kopf gesetzt hat, führt er auch durch, trotz aller Kritik. Denn Piprek glaubt an die Gentechnik und ans große Geschäft, das ihm der Genmais irgendwann bringt.

Doch seit drei Jahren darf Jörg Piprek keinen Genmais mehr aussäen. Er täte es, wenn er könnte. Aber die Aussaat der einzig in Deutschland jemals zugelassenen genveränderten Maissorte, der MON 810 des Saatgutmultis Monsanto, wurde 2009 verboten. Zur Zeit ist die Genkartoffel Amflora die einzige in Deutschland für den gewerblichen Anbau zugelassene genveränderte Pflanze – sie wird auf ganzen zwei Hektar gepflanzt. Piprek kommentierte das Verbot damals so: »Viele Leute verstehen die Technik nicht und haben deshalb Angst davor. Dass die Ministerin diese Angst jetzt zu einer Entscheidungsgrundlage macht, finde ich ziemlich primitiv.«

Die agrarische Gentechnik ist eine hochkomplexe Angelegenheit – und eine gewalttätige dazu. Einer Pflanze muss das fremde Gen, dessen Eigenschaften sie annehmen soll, nämlich regelrecht aufgezwungen werden.

Der Molekularbiologe am Potsdamer Max Planck Institut und praktizierende Gentechniker Professor Ralph Bock beschreibt das Einbringen des Fremdgens als einen »relativ rabiaten«

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