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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2010
»Nicht mit mir«
Warum Friedrich Schorlemmer nicht zum Ökumenischen Kirchentag fährt
Der Inhalt:

Beginn einer Freundschaft

von Patrizia Barbera vom 09.04.2010
»Am Anfang hat sie Mathe gehasst«: Die Studentin Lavinia Rosen gibt einer Schülerin ehrenamtlich Nachhilfestunden

Vivien rutscht vergnügt auf ihrem Stuhl hin und her. »Wir rechnen jetzt schon bis zur Million!«, erzählt die Elfjährige aufgeregt und schaut Lavinia Rosen mit großen Augen an. »Wahnsinn«, antwortet die Studentin und lächelt, »dann zeig mir doch mal, was ihr diese Woche aufhabt.« Vivien durchsucht hastig ihren Schulranzen, stockt plötzlich und schreckt hoch. »Ich hab dir noch gar nicht gezeigt, was ich zu Weihnachten bekommen hab!«, sagt sie und huscht an ihrer Nachhilfelehrerin vorbei aus dem Zimmer. Stolz kommt sie mit einer Puppe zurück, zieht sie hastig aus und zeigt Lavinia Rosen, wie sie auf die Knöpfe drücken muss, um die Puppe brabbeln zu lassen.

Lavinia Rosen, die an der Universität Konstanz Politik- und Verwaltungswissenschaft studiert, gibt Vivien seit über einem Jahr ehrenamtlich Nachhilfe in Mathe, Deutsch und Englisch. Zu Beginn lebte Vivien noch in einem Kinderheim; seit Kurzem wohnt sie bei einer Pflegefamilie in der Altstadt. Lavinia erinnert sich, dass sie auf jeden Fall irgendetwas Soziales neben ihrem Studium machen wollte.

»Aber eine Hochschulgruppe, bei der man nur Petitionen unterschreibt und am Ende doch das Gefühl hat, nicht wirklich etwas verbessert zu haben, war mir nicht genug.« Eines Tages wurde sie auf die noch sehr junge Studenteninitiative für Kinder aufmerksam, die Nachhilfe für Kinder aus sozial benachteiligten Verhältnissen, etwa in Kinder- oder Flüchtlingsheimen, organisiert. Lavinia, die schon während ihrer Schulzeit im Internat jüngeren Mitschülern Nachhilfe gegeben hatte, freute sich auf die neue Aufgabe. Nicht so Vivien.

»Am Anfang konnte sie nicht mal plus und minus rechnen und schrie immer: ›Ich hasse Mathe!‹, heute hat sie eine Zwei«, erinnert sich die Studentin und wirft Vivien einen stolzen Blick zu. Zu Beginn der Nachhilfe hielten sich beide noch an das Hausaufgabenheft, dann brachte Lavinia Schere und Papier mit, um nach dem Üben noch etwas zu basteln, ließ sich von Vivien erzählen, was während der Woche so passiert war, oder nahm sie im Sommer mit ins Freibad. Als Vivien irgendwann fragte, was ihre Nachhilfelehrerin denn den Rest der Woche mache, nahm Lavinia sie einen Tag mit an die Universität.

»Da stand sie dann total ehrfürchtig in der großen Uni, vor allem die Mensa fand sie umwerfend toll und meinte, ›also wenn das so ist, muss ich auch mal studieren‹«, sagt

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