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Das Papst-Contra

vom 07.04.2000
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Im Vatikan beruhigen sich die erregten Gemüter etwas. Mit außerordentlicher Skepsis wurden die, wie es unter ihnen heißt, »eigenwilligen, für die Kirche gefährlichen Aktivitäten« des Papstes verfolgt. Nur auf einen Teil der 2000-Jahr-Texte des »Chefs« - wie der Papst in der Kurie genannt wird - hatten Kurienbeamte bei den päpstlichen Vergebungsbitten Einfluss nehmen können, »um Schlimmeres abzuwenden«. Ihr Hinweis auf die Schweigepflicht beim Bußsakrament der Beichte verhinderte, dass der Chef sich vor der Weltöffentlichkeit zu eigenen Fehlern bekannte und auch um die Vergebung der Sünden des Papstes Pius XII. in der Judenfrage bat. Befürchtet wird, dass das Oberhaupt der Kirche durch seine zur Schau gestellte offenkundig glaubwürdige mystische Sprache und Gestik der Menschheit ein Bild von der römischen Kirche vermittelt, das voll im Widerspruch zum überkommenen kirchlichen Rechtssystem und der autoritären Disziplin steht. Ein Kurienkardinal: »Die vom Chef hervorgehobene individuelle Mystik birgt die Gefahr in sich, dass diese Mystik von den Gläubigen als persönliches Lebensideal übernommen und somit die Kirche unregierbar und die Kurie bedeutungslos wird.« Der Papst verkünde eine »Contra-Botschaft«, demoliere damit das Papsttum und leite zur Freude des innerkirchlichen progressiven Flügels die von diesem Flügel erhoffte »mystische Befreiung aus dem Korsett überlebter Formen« ein. Andere Kurienkardinäle warnen davor, die päpstlichen Äußerungen als ein »zwingendes Vermächtnis« aufzufassen. In Anlehnung an den Slogan »Der König stirbt. Es lebe der König« heißt es: »Der Papst stirbt, die Kurie bleibt.« Ein Glanz des noch regierenden Papstes falle immer auch auf die Kurie.