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Leserbrief
Diese Leibfeindlichkeit

vom 24.03.2026
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Solche Beiträge brauchen wir: klar, mutig, tolerant. Schaut man in die belebte Natur, so nehmen niemals alle Individuen einer Art an der Erhaltung der Art teil. Einige können nicht, einige wollen nicht. Jede Art von sexueller Präferenz wird angetroffen und muss daher als »normal« gelten. Es kann kein göttliches Gebot geben, sich unbedingt so oder so verhalten zu müssen. Die Kirchen haben nicht die geringste Legitimation mehr, diese persönlichsten Entscheidungen jedes Menschen in irgendeiner Weise zu bewerten oder auszugrenzen. Hubert Kauker, Mülheim an der Ruhr

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 6/2026 vom 27.03.2026, Seite 62
Frieden schaffen - jetzt mit Waffen?
Frieden schaffen - jetzt mit Waffen?
Ein Streitgespräch über christliche Friedensethik

Bei Ihrem interessanten Artikel haben Sie leider das Fest »Mariä Empfängnis« vergessen. An dem Tag hatten Anna und Joachim miteinander Sex und Maria, die spätere Mutter Jesu Christi, wurde dabei empfangen. Das wurde schon im 10. Jahrhundert gefeiert. Dieses Fest erinnert nicht nur daran, dass Maria von einer Erbschuld ausgenommen ist, sondern damit verbunden auch an den Sex von Marias Eltern. Das hätte gut in Ihren Artikel gepasst. Gregor Heinrichs, Essen

Ich freue mich, dass die Sexualität in diesem Heft angesprochen wird. Ich bin 83 Jahre alt und als wir im Krieg ausgebombt waren, kam ich in ein Kinderheim. Damals war ich etwa dreieinhalb Jahre alt und ich blieb dort etwa zwei Jahre lang. Das Heim wurde von Nonnen geführt vom Heilig-Geist-Orden. Eine der Nonnen hatte ihr Klausurzimmer unmittelbar neben unserem Schlafraum. Sie ging durch unseren Schlafraum in ihr Klausurzimmer. Jeden Abend, den Gott geschaffen hatte, ging sie an meinem Bett vorbei. Dabei zog sie jeden Abend meine Decke weg, ob ich geschlafen hatte oder nicht, und fragte: »Ursula, warum schläfst du nicht? Du weißt doch, der liebe Gott sieht alles und er weiß alles, er kann deine geheimsten Gedanken sehen und sieht auch unter deine Bettdecke, ob du in deiner Nase popelst oder ob du an deinem Popo rumspielst. Er sieht das alles und du weißt ja, du kommst sowieso in die Hölle, weil du immer so böse bist.« Ich war mehr als neun Jahre in verschiedenen Heimen. Sie wurden alle von Nonnen geleitet, von Borromäerinnen, Vincentinerinnen, Schwestern vom guten Hirten. In all diesen Heimen war Körperlichkeit ein Tabu. Wir trugen eine Art Uniform. Kleider und Röcke mussten das Knie bedecken und die Ärmel auch im Sommer fast die Ellbogen erreichen und anliegend sein – sodass man bei hochgestrecktem Arm nicht in die Achsel schauen konnte. Wir mussten immer so auf dem Stuhl sitzen, dass die Knie nebeneinander und die Füße zusammenstanden – übergeschlagene Beine war ein Verbot. Auch die Taille durfte nicht betont werden, denn dann hätte man bei Mädchen die Entwicklung der Brüste erkennen können. Freundschaften unter uns Mädchen waren verboten. Berührungen oder gar Umarmungen wurden extrem bestraft – das hatte fast die Bedeutung von Unzucht. Das hat sich auf meine Entwicklung und auf mein späteres Eheleben extrem stark ausgewirkt. Ich habe mich niemals meinem Mann wirklich nackt gezeigt – ich war mehr als 50 Jahre verheiratet. Ich habe mich auch nie selbst im Spiegel nackt angeschaut. Auch mein Mann war verklemmt erzogen worden – er hatte eine extrem prüde Mutter. Sie fragte mich einmal, wieso ich meinen zweieinhalbjährigen Sohn beim Baden meiner kleinen, zwei Wochen alten Tochter zuschauen lasse. Er müsse ja nicht sehen, dass das ein Mädchen sei. Außerdem solle ich mir beim Stillen doch eine Windel über die Brust legen, damit mein Sohn meine Brust nicht sieht. Ich habe trotzdem versucht, meine Kinder normal groß werden zu lassen – ohne Scham für ihren Körper. Ursula R.,Nachname

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und Wohnort sind der Redaktion bekannt

Was die Christenheit versäumte, ist ein Spielfeld bereitzustellen für eine gute gottgefällige sexuelle Lebensweise. Es gibt Spielfelder für Armut, Gehorsam und Keuschheit, nämlich die Klöster. Aber schon Gehorsam und Keuschheit wurden nicht durch Spiel erfahrbar gemacht, sondern geboten, oft mit Gewalt. Wie kann man Menschen die Faszination der Sexualität verbieten? Aufgabe wäre es, wie im Liebesmahl Platons, schon die jungen Menschen zu begleiten und ihnen zu zeigen, wie man mit dem Erlebnis sexueller Begierde gut umgehen kann. Die Weisheit des Genusses zu lehren. Dass er schön und gut ist. Die Christenheit verbot einfach die Faszination und diffamierte und stigmatisierte, wer das Verbot nicht einhielt. Wie fies! Hans Th. Flory, Heidelberg

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