Im Bilde
Auferstandene Alge

Kürzlich holte ein Team des Leibniz-Instituts in Warnemünde Schlamm aus 240 Metern Tiefe. Östliches Gotlandtief, Ostsee. Darin fand es eine prähistorische Kieselalge, im sogenannten Dauerstadium, mit minimalem Stoffwechsel. Man gab ihr Licht, Nährstoffe, günstige Bedingungen. Sie wuchs. Forscherin Sarah Bolius sagt, die Alge habe ihre volle Fitness zurückgewonnen – inklusive Zellteilung und Fotosynthese. Die Methode heißt Auferstehungsökologie. Man weckt Organismen aus alten Sedimenten auf, um zu verstehen, wie Ökosysteme auf Klimaveränderungen reagieren. 7000 Jahre existierte sie im Dunkeln, ohne Sauerstoff, ohne Bewegung. Und dann, bei günstigen Bedingungen: Leben. Vielleicht ist Auferstehung kein Wunder, an das man glaubt oder nicht glaubt – sondern ein Prinzip, mit dem das Leben sich immer wieder neu erfindet.





Georg Lechner 27.03.2026, 15:49 Uhr:
Es ist auch bei Algen erstaunlich, aber bei tierischen (und höherentwickelten pflanzlichen) Lebewesen wohl nicht zu erwarten, dass sie längere oder auch kürzere Zeit mit "Minimalprogramm" überleben können. Denn die Informationserfassung und -verarbeitung braucht Energie; auch die überlebenswichtigen Symbionten sind auf ein gewisses Maß an Nahrungsaufnahme durch den Wirtsorganismus angewiesen. Schon ein teilweises Absterben menschlicher Gehirnareale ist nur in seltenen Fällen reparabel (durch benachbarte, noch funktionsfähige Areale), aber zumeist folgt ein Zusammenbruch des komplexen Systems (Aussetzen von Atmung und Herzschlag und damit weitere Gehirnschädigung).