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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 6/2019
Wahrheit
Auf der Suche nach einem Ideal
Der Inhalt:

Nachgefragt: Was hilft den Paketboten?

von Eva-Maria Lerch vom 22.03.2019
Arbeitsminister Hubertus Heil will die Zusteller vor Lohn- und Sozialbetrug schützen. Wie kann das gehen? Fragen an die Gewerkschafterin Sigrun Rauch

Publik-Forum: Manche Paketboten verdienen nur 4,50 Euro die Stunde und das bei Arbeitszeiten von 12 oder gar 16 Stunden pro Tag. Viele sind nicht einmal sozialversichert. Wie kann das passieren?

Sigrun Rauch: Diese erschreckenden Erkenntnisse stammen aus einer Razzia, die der Zoll im Februar gemacht hat. Die Arbeitssituation in der Paketbranche ist zweigeteilt: Es gibt Unternehmen, die mit festen Angestellten arbeiten und Tariflöhne zahlen. Und es gibt Unternehmen, die vor allem mit Subunternehmern arbeiten, welche oft ihrerseits wieder Subunternehmen beschäftigen. Da wollen viele an dem boomenden Geschäft mitverdienen – und für die Boten bleibt dabei immer weniger übrig.

Aber wie kommt es zu dieser kriminellen Form der Ausbeutung?

Rauch: Die Arbeit im Paketdienst ist schwer. Daher finden sich auf dem deutschen Markt nicht genügend Mitarbeiter. Deshalb heuern die Subunternehmer häufig Arbeitskräfte aus dem EU-Ausland an. Die Razzien haben ergeben, dass oft auch Menschen aus der Ukraine, Moldawien oder Weißrussland mit gefälschten EU-Pässen eingeschleust werden. Diese Leute kennen ihre Rechte nicht und hätten auch kaum eine Chance, sie durchzusetzen.

Hat die Gewerkschaft da keine Handhabe?

Rauch: In kleinen Subunternehmen, wo es kaum Gewerkschafter und keine Betriebsräte gibt, ist es schon rechtlich schwierig, einen Zugriff zu bekommen. Noch gravierender ist aber die Angst dieser Menschen, ihre Arbeit und den geringen Lohn, den sie hier unter Missachtung sämtlicher Gesetze verdienen, auch noch zu verlieren und wieder nach Hause geschickt zu werden.

Gibt es besonders schwarze Schafe unter den Paketdienstleistern?

Rauch: Besonders kritisch betrachten wir GLS, der sich an keine Tarifbindung hält. Und bei der Razzia sind auch Fahrer, die für Subunternehmer von amazon unterwegs waren, einschlägig aufgefallen. Allerdings steht kein glänzend weißes Schaf auf der Weide. Die besten Bedingungen gibt es noch bei der Deutschen Post/DHL und ups, die beide überwiegend mit festangestellten Zustellern arbeiten und Tariflöhne zahlen. DPD und Hermes

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