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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 6/2019
Wahrheit
Auf der Suche nach einem Ideal
Der Inhalt:

Respekt des Herzens

Beten, singen, schweigen: Das interreligiöse Friedensgebet in Berlin

Die meisten Demonstrationen sind laut. Anders jene, die seit 17 Jahren an jedem ersten Sonntag im Monat auf dem Gendarmenmarkt stattfindet. Auf dem Plakat, das die Initiative entfaltet, steht: »Inter-religiöses Friedensgebet – betend den Mut finden zum Sprechen«. Mal gruppieren sich darum dreißig Personen, manchmal sind es weniger als zehn. Sie gehören unterschiedlichen Religionen an und wollen gemeinsam ein Zeichen für den Frieden setzen. Wie das gehen kann und ob es überhaupt möglich ist, hat in der Gruppe immer wieder Debatten ausgelöst. Einige verließen den Kreis. Ein harter Kern um den Jesuiten Christian Herwartz jedoch ist dabeigeblieben. »Dahinter verbirgt sich eine gewisse Sturheit durchzuhalten«, sagt Initiatorin Anna Sophia Augustin.

Ob es stürmt oder schneit, einige kommen stets, um gemeinsam zu singen, zu sprechen – und zu beten. Letzteres tun sie nicht gemeinsam. Während Vertreter einer Religion ein Gebet sprechen, stehen die Übrigen in »respektvoller Gegenwart« still daneben. »Der Respekt ist dabei mehr als ein äußerliches Tolerieren, es ist ein Respekt des Herzens«, erklärt Mitinitiator Klaus Röber. Auch wer sich zu keiner Religion zählt, sei willkommen.

Auf der Homepage heißt es: »Unser Ziel ist weniger der Dialog als vielmehr das Gebet selbst sowie die Offenheit dafür, dass im Gebet etwas wächst, was dann gemeinsam benannt werden kann.« Entsprechend richten sich die Treffen auf dem Gendarmenmarkt nicht nach außen. Wenn Passanten stehen bleiben oder Fragen stellen, sind sie jedoch eingeladen, sich zu beteiligen.

Für jeden Gebetstermin gibt es ein Thema, das in einer Einladung bekanntgegeben wird, etwa Wohnungsnot, aber auch spirituelle Fragen. Dhiraj Roy