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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 6/2018
Hoffen über den Tod hinaus
Ein Streifzug durch die Religionen
Der Inhalt:

Der Körper als Verheißung

von Helmut Jaschke vom 23.03.2018
Was mir die christliche Auferstehungshoffnung plausibel macht

Wir können uns nicht abfinden mit einer zufälligen Lebensspanne von ein paar Jahren, nach der wir ins absurde Nichts versinken. Die Auferstehungshoffnung gehört zur Mitte des christlichen Glaubens. Doch die Vorstellung, dass dazu Leiblichkeit gehören soll, bleibt fremd, weil man ja weiß, dass der Körper im Tod zerfällt. Der menschliche Körper aber, so meine ich zu erkennen, lässt die Erwartung eines Lebens in Fülle über den Tod hinaus nicht unsinnig erscheinen. Glaube, Liebe, Hoffnung sprengen die Grenzen von Raum und Zeit: Sie sind in den Körper »inkarniert«.

Vertrauen als Lebensprinzip

Ohne Glauben, also Vertrauen, ist menschliches Leben unmöglich. Wir vertrauen darauf, dass die Sonne morgen wieder aufgeht und die Gesetze der Schwerkraft gelten. Wir müssen nicht einmal darüber nachdenken. Im Vertrauen »verlassen« wir uns (auf etwas oder jemanden), überschreiten wir uns also, ohne uns zu verlieren. Das ist auch das Lebensprinzip des Körpers. Unsere Organe verkörpern Vertrauen, indem sich die verschiedenen Prozesse im Körper aufeinander verlassen. Wir merken das erst, wenn Funktionen gestört werden. Die Vertrauensstruktur des Körpers ist eine gefährdete. Vertrauen braucht aber ein unzerstörbares Fundament, um Garant des Lebens sein zu können. Insofern ist der Körper als »Fleisch« gewordenes Vertrauen Sakrament: sinnlich erfahrbares Zeichen, das auf etwas sinnlich nicht Fassbares verweist. Wir verkörpern Vertrauen.

Liebe ist nur als ewig denkbar

Der Körper zeigt mit den Geschlechtsorganen gleichzeitig die eigene Vergänglichkeit und den Übergang an. Lebendig zu sein erschöpft sich aber nicht nur in der Fortpflanzung, sondern darin, in Beziehung zu stehen, sich auf den anderen hin loszulassen, zu geben und zu erhalten, zu lieben und geliebt zu werden. Nirgends ist die Verbindung zwischen sinnlichem Erleben und Überschreitung der Ich-Grenzen so intensiv wie in der Liebe. Es ist merkwürdig, dass Menschen, wenn sie lieben, fest davon überzeugt sind, dass ihre Liebe nicht vergehen kann. Liebe ist nur als »ewig« denkbar, nicht als kurzlebiges Erzeugnis von Gehirn, Psyche und Hormonen. Wenn sie allein als Produkt physiologischer Vorgänge aufgefasst wird, fällt sie in sich zusammen, kann sie nicht beflügeln und die Welt verwandeln.

Hoffnung auf künftiges Heilsein

Ohne Ho

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