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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 6/2015
Gott will im Dunkel wohnen
Ein Missbrauchsopfer spricht über Kreuz und Auferstehung
Der Inhalt:

»Ich sehe mich als Tabubrecherin«

von Christine Weber-Herfort vom 27.03.2015
Dick und rundum glücklich: Natalie Rosenke hat eine »Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung« gegründet

Publik-Forum: Frau Rosenke, was haben Sie gegen das heutige Schönheitsideal?

Rosenke: Für das aktuelle Ideal haben nur wenige die Gene in die Wiege gelegt bekommen. Viele erkämpfen sich täglich ihren perfekten Körper – zulasten ihrer eigenen Genussfähigkeit. Dieser Druck, den eigenen Körper zu optimieren, wird immer weiter aufgebaut. Das erklärt, warum es teilweise zu negativen Entladungen in Form von Gewichtsdiskriminierung kommt.

Gewichtsdiskriminierung? Sie meinen, dass dicke Menschen inzwischen so etwas wie eine verfolgte Randgruppe sind?

Rosenke: Ja. Die Gruppen, die man heute noch diskriminieren darf, sind weniger geworden. Dadurch verstärkt sich der Druck auf dicke Menschen zusätzlich.

Sie haben sogar eine »Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung« gegründet. Was wollen Sie damit erreichen?

Rosenke: Wir wollen die Bilder im Kopf verändern und auch Einfluss auf die Medien nehmen. Wir wollen aber auch die Ärzte aufklären, denn gerade die verbreiten viele Vorurteile über die gesundheitlichen Folgen von Übergewicht, die letztlich keine Grundlage haben. Daran arbeitet unser wissenschaftlicher Beirat. Und wie alle diskriminierten Gruppen wollen auch wir Gegendruck aufbauen: Wenn erst mal 5000 Dicke auf dem Kudamm protestieren, kommt der vielleicht zum Vorschein.

Finden Sie es schwierig, als dicker Mensch in dieser Gesellschaft zu leben?

Natalie Rosenke: Nicht immer. Mir persönlich geht es gut. Ich bin ein zufriedener, optimistischer Mensch.

War das immer so?

Rosenke: Ich kenne mich nur als dickes Kind und jetzt als dicke Erwachsene. Mein Umfeld hat mich oft unter Druck gesetzt und mir vermittelt: So kannst du nicht glücklich werden. Nur bei meinem Vater habe ich dieses Gefühl nicht gehabt. Er nahm mich so, wie ich war.

Wie waren Sie denn?

Rosenke: Ich sehe mich gerne als Tabubrecherin. Denn ich habe die Zuschreibung, dass ich als dicker Mensch nicht okay bin, dass ich unglücklich sein und mich verstecken müsse, einfach nicht angenommen. Stattdessen bin ich bin nach draußen gegangen, habe viel Theater gespielt und in einer A-Capell

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