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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 6/2015
Gott will im Dunkel wohnen
Ein Missbrauchsopfer spricht über Kreuz und Auferstehung
Der Inhalt:

Sozialprotokoll: »Das ist meine Oase«

von Juliane Ziegler vom 27.03.2015
Die Syrerin Kheirat Ahmad Ghazea (22) lebt im Flüchtlingslager Zaatari in Jordanien. Dort betreut sie jetzt Jugendliche

Nachmittags, nach der Arbeit, schaue ich gerne den Jungs beim Fußballtraining zu. Ich mag es, wenn sie über den Platz rennen, schreien und lachen. Es wirkt so unbeschwert inmitten all der Zelte, Container und drei Meter hohen Zäune.

Vor eineinhalb Jahren kam ich mit meiner Familie in das Lager Zaatari. Mehr als 85 000 Menschen leben hier. Die meisten kommen wie wir aus Daraa, aus dem Süden Syriens. Dort hat der Aufstand gegen Präsident Baschar al Assad im März 2011 begonnen.

Drei Tage waren wir unterwegs, zu Fuß. Als wir hier ankamen, ging es mir schlecht. Meine Freunde fehlten mir, ich wollte weiter zur Uni gehen, mein altes Leben zurückhaben. In Syrien hatte ich angefangen, englische Literatur zu studieren. Aber dann wurde die Lage immer gefährlicher und mein Vater brachte uns in Sicherheit.

In Syrien hatten wir ein Haus, jeder sein eigenes Zimmer. Und jetzt wohnen wir zu siebt in einem Container von 15 Quadratmetern: meine Eltern, meine vier jüngeren Geschwister und ich. Klar, dass es viel Streit gibt, wenn man so eng beieinander lebt. Vor allem anfangs habe ich meinen Vater oft angeschrien, dass ich zurückgehen möchte.

Irgendwann war klar: Ich brauche eine Beschäftigung, sonst drehe ich durch. Mein Vater war einverstanden, in Syrien habe ich neben der Uni auch in einer Apotheke gejobbt. Die Psychologin Wejdan Jarrah hat mich dann mitgenommen zur Peace Oasis. Das ist eine psychosoziale Beratungsstelle für Jugendliche. Der Lutherische Weltbund hat das Zentrum hier im Camp eingerichtet. Zuerst habe ich einen Kurs in Konfliktbewältigung gemacht, dadurch ging es mir besser. Dann habe ich mich als Trainerin ausbilden lassen. Jetzt trage ich die blaue Weste mit dem gelb eingestickten Logo des Lutherischen Weltbundes. Genau wie zehn andere Syrer, die alle in meinem Alter sind, Anfang, Mitte zwanzig. Wir verstehen uns gut. Die Peace Oasis ist mein zweites Zuhause geworden; für mich ist es wirklich eine Friedensoase. Ich fühle mich nicht mehr so einsam wie noch vor einigen Monaten. Und ich glaube, ich bin selbstbewusster geworden.

Inzwischen arbeite ich jeden Tag dort. Zuerst habe ich die Mädchen unterrichtet, jetzt die Jungs. Es geht in den Trainings um Konfliktbewältigung, Mediation und verschiedene Kommunikationsmöglichkeiten. Und darum, mit der Wut umzugehen. Wu

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