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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 6/2014
Das Genmais-Komplott
Wie Konzerne eine Technologie durchsetzen, die keiner will
Der Inhalt:

Leib-und-Seele-Gespräch: »Unglaube ist wie eine Ohrfeige«

von Udo Taubitz vom 28.03.2014
Als Autor amüsanter Kurzgeschichten hat Wladimir Kaminer es zum Popstar gebracht. Heute sucht er das Glück im Garten und macht sich Gedanken über den Glauben

Publik-Forum: Können Sie das Wort »Russendisko« noch hören?

Wladimir Kaminer: Nein. Auch diese Musik kann ich nicht mehr hören. Ich mache das ja schon seit dem vorigen Jahrhundert. Aber ich darf nicht aufhören.

Sie brauchen das Geld?

Kaminer: Ach was. Ich kann von meinen Lesungen gut leben. Wenn ich mit meiner Frau Olga in Clubs auflege, ist das oft ehrenamtlich. Sogar ins Ausland werden wir für Russendiskos eingeladen – Mexiko, Brasilien, Finnland. Wir sind Botschafter der neudeutschen Kultur, das ist eine große Verantwortung!

In Talkshows lassen Sie sich als Berufsrusse herumreichen. Andererseits lehnen Sie pikiert ab, wenn man Ihnen Wodka anbietet. Wie geht das zusammen?

Kaminer: Menschen brauchen Klischees, um sich ein Bild von der Welt zu machen. Meine Aufgabe sehe ich darin, neue Klischees zu erschaffen. Zum Beispiel Russen, die keinen Schnee mögen. Oder Russen, die Weißwein trinken. Das bringt mehr Vielfalt, macht aber das Verstehen der Welt nicht gerade leichter.

Früher waren Sie Hausbesetzer und bekannt für exzessive Partys. Heute sind Sie Familienvater, fahren ein Damenrad und hacken Unkraut im Garten. Wird man zwangsläufig konservativer und spießiger, je älter man wird?

Kaminer: Damenrad bin ich schon immer gefahren, auch als Hausbesetzer. Ich bin genauso anarchistisch wie früher. Staatliche Strukturen und Menschen in Uniformen kotzen mich immer noch an. Nur zeige ich das nicht mehr die ganze Zeit. Ich bin aber überzeugt, dass Staaten vor allem ihr eigenes Wohl verfolgen, nicht das Wohl der Bürger. Staaten und Nationalitäten sind Fallen, um Menschen vom einzig wichtigen abzulenken.

Und das wäre?

Kaminer: Ein unverstellter Blick auf die Welt. Das Leben reflektieren. Stattdessen machen wir Sachen, für die wir gar nicht geschaffen sind. Um die Wette laufen. Fallschirmspringen. Oder fliegen. Das ist lächerlich! Jeder Mensch braucht etwas, was größer ist als sein Leben, wofür es sich lohnt zu sterben. Aber in der Konsumgesellschaft, was kann man da ausrichten?

Bücherschreiben vielleicht?

Kaminer: Meine Bücher sind nur ein

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