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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 6/2012
Gesellige Einzelgänger
Pilgern: Sich selbst auf der Spur – und vielleicht auch Gott
Der Inhalt:

»Nur für Hindus«

von Gerhard Klas vom 04.05.2012
Als Ministerpräsident des indischen Bundesstaates Gujarat ließ er die Tötung von zweitausend Muslimen zu. Im Westen gilt Narendra Modi als Vorzeigepolitiker

Gut zehn Jahre ist es her, dass sich eines der blutigsten Pogrome Indiens ereignete: Am 28. September 2002 tötete ein rasender Mob von Hindu-Nationalisten mehr als 2000 Muslime im indischen Bundesstaat Gujarat. Schon damals hielt sich die Empörung der Weltöffentlichkeit in Grenzen, wurden doch Muslime weithin mit der Gewalt des 11. September 2001 in Verbindung gebracht.

Inzwischen ist das Pogrom gegen die Muslime fast vergessen. Und nicht nur dies: Narendra Modi, der Ministerpräsident des Bundesstaates, der damals schützend seine Hand über die Täter gehalten hatte, ist mittlerweile ein prominenter Politiker. Er verbindet einen radikalen Hindu-Nationalismus mit Wirtschaftsliberalismus und erfreut sich bei indischen Unternehmern wie auch bei westlichen Autoherstellern und Chemiekonzernen größter Beliebtheit.

»Indien zuerst – alles andere kommt danach«, tönt Narendra Modi auf Kundgebungen der national-hinduistischen Bharatiya Janata Party. Modi ist ein charismatischer Redner. Er peitscht seine Worte ins Publikum. Manchmal liegt in seiner Stimme, seiner Gestik, seiner Mimik etwas Bedrohliches, und er formt seine Hände langsam zur Faust, als wollte er etwas zerquetschen. Modi nennt seinen Wohnsitz nie Ahmedabad, sondern Karnavati. Das ist der alte Name für Ahmedabad – er stammt aus einer Zeit, als die Stadt noch klein und unbedeutend war. Der heutige Name bezieht sich auf den muslimischen Sultan Ahmed Shah, der Ahmedabad groß und zu seiner Hauptstadt machte. Als »Sultanat« bezeichnet Modi hingegen die amtierende Regierung unter Führung der Kongress-Partei in Delhi. Er wirft ihr vor, nicht hart genug gegen Terroristen und das Nachbarland Pakistan vorzugehen.

Für Narendra Modi war das Pogrom von 2002 ein legitimer Racheakt. Er hatte die Order ausgegeben, den marodierenden Mob gewähren zu lassen. Seiner politischen Karriere hat das bisher nicht geschadet: Zweimal wurde der Ministerpräsident in seinem Bundesstaat mit absoluter Mehrheit wiedergewählt und gilt heute als erfolgreichster Politiker der Hindu-Nationalisten von der BJP – und als wichtiger Herausforderer der in Delhi regierenden Kongress-Partei.

Obwohl die BJP bei bundesweiten Wahlen in den letzten Jahren nicht so gut abgeschnitten hat wie in Gujarat, warnt Achin Vanaik, Dekan an der politischen Fakultät der Universität Delhi, davor,

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