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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2016
Gott suchen in Auschwitz?
Eine Begegnung mit Überlebenden
Der Inhalt:

Über Stock und Stein

von Karl Grünberg vom 11.03.2016
Viele Kinder waren noch nie im Wald und sind noch nie auf einen Baum geklettert. Was entgeht ihnen? Zu Besuch in der mobilen Waldschule Eichhörnchen und in einem Waldkindergarten in Berlin

Echte Berliner Stadtkinder stehen vor einem echten Berliner Wald. Dunkel ist es da drin, nass und kalt. Misstrauisch schauen sie auf den Weg, der sich in den Forst schlängelt. Da sollen sie jetzt hinein? Es ist die vierte Klasse einer Grundschule aus dem Bezirk Kreuzberg. Sie tragen Rucksäcke mit Walt-Disney-Märchenfiguren, haben sich in dicke Jacken gemummelt, manche aber bibbern in zu dünnen Turnschuhen oder Leggings.

Sie dürfen, nein, sie sollen jetzt in den Wald rennen und schreien. Ungläubig schauen die 25 Kinder auf die Waldpädagogin Nadine Albrecht. »Echt jetzt?« In den Wald laufen und laut sein? Zögerlich setzen sie ihre Füße vom Asphalt auf den feuchten Waldboden. »Ihh«, kreischt ein Mädchen und zeigt auf das Laub. Ein glänzender Mistkäfer. Doch dann toben die Ersten los, die anderen zieht es hinterher, in den Wald, ins Abenteuer. Keine Autos, keine Straßen, keine Grenzen, einfach los.

Stadtkinder in den Wald bringen, Natur erleben, einen Gegenpol zum schnellen Takt der Großstadt: Wenigstens einmal im Jahr will der Senat allen Berliner Schülern einen Waldbesuch ermöglichen. Deswegen haben die Förster sieben Waldschulen mit besonders geschulten Pädagogen eingerichtet. Zwei sind mobile »Rucksack«-Waldschulen. Sie gehen dort in den Wald, wo Schulklassen und Kitagruppen am besten hinkommen.

»Hier im Wald passiert so viel mit den Kindern«, sagt Nadine Albrecht, 34 Jahre alt und Waldpädagogin der Rucksack-Waldschule »Eichhörnchen«. Sie steht inmitten der keuchenden Kinderrunde und fragt: »Wer von euch war schon einmal im Wald?« Ein Mädchen hebt zögernd die Hand. Dann ein Junge. Am Ende ist es nur eine Hand voll. Die anderen standen noch nie zuvor unter einem Blätterdach und sind auch noch nie auf einen Baum geklettert. »Kein Einzelfall. Das ist leider immer häufiger so«, sagt Nadine Albrecht.

Wer sich mit der Waldpädagogin unterhält, merkt schnell, dass es beim Thema Kinder und Natur um mehr geht als um einen Tag Spaß im Wald. Es geht um die Frage, wie wir unsere Kinder in dieser technologisierten Welt großziehen wollen, zwischen Häuserschluchten und Autokolonnen, zwischen Leistungsdruck und durchgetakteter Kindheit, zwischen Bildschirmen, Fastfood und Bewegungsarmut.

Ob Kita, Grundschule oder Oberschule, Nadine Albrecht war schon mit den unterschiedlichsten Kindern im Wald. Sie berichtet von einem Mädchen, das

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