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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2015
Kann Religion Frieden?
Was die Macht des Terrors bricht
Der Inhalt:

Vorgespräch: Sollen Ärzte die Seele abhorchen?

von Markus Dobstadt vom 13.03.2015
Fragen an den Mediziner Stephan Zipfel. Er organisiert den Deutschen Psychosomatik-Kongress in Berlin

Publik-Forum: Herr Zipfel, Sie sind Medizinprofessor und organisieren vom 25. bis 28. März den Deutschen Psychosomatik-Kongress in Berlin. Wer kommt dorthin?

Stephan Zipfel: Rund tausend Teilnehmer, die in verschiedenen medizinischen Fachgebieten arbeiten, auch aus anderen europäischen Ländern, aus Japan und den USA. Es ist der größte europäische Fachkongress zu dem Thema.

Sie haben zu dem Kongress auch zwei Philosophen eingeladen: Peter Sloterdijk und Peter Bieri. Was erwarten Sie sich von ihnen?

Zipfel: Die Philosophie beschäftigt sich schon seit Jahrhunderten mit der Frage, wie Körper und Geist zusammenwirken – das ist auch das zentrale Kongressthema: »Psycho-Somatik: Dialog statt Dualismus«. Daher erwarten wir uns einen fundierten Input von diesen beiden renommierten Vertretern.

Womit beschäftigt sich die psychosomatische Medizin?

Zipfel: Sie schaut, ob bei der Entstehung einer Erkrankung psychische Konflikte eine Rolle spielen. Und sie hilft bei der seelischen Bewältigung von Krankheiten. Psychische Konflikte können zum Beispiel eine Ursache von Essstörungen sein. Diese Erkenntnis ist entscheidend für die Behandlung. Bei Krebserkrankungen dagegen geht es der Psychosomatik eher darum, Patienten bei der Verarbeitung ihrer Krankheit zu unterstützen und ihnen zu helfen, trotz der Krankheit die Lebensqualität zu erhalten. Bei vielen Erkrankungen liegt unsere Aufgabe irgendwo dazwischen: Wir suchen nach der Ursache und helfen bei der Bewältigung der Folgen.

Hat sich das Wissen durchgesetzt, dass körperliche Erkrankungen auch psychische Ursachen haben können?

Zipfel: Das Fach wird inzwischen an den meisten medizinischen Fakultäten gelehrt, und es gibt einen eigenen Facharzt für psychosomatische Medizin. Doch spätestens nach dem Studium wird es schwierig. Der Praxisalltag bietet wenig Raum für Re flexion: Lasse ich Patienten ausreden? Wie überbringe ich eine schlechte Nachricht? Das Nachdenken darüber kommt im Alltag zu kurz.

Sollen Ärztinnen und Ärzte auch die Seele abhorchen?

Zipfel: Wichtig ist die Kommunikation. Die Hochleistungsmedizin sollte eingebettet sein in eine Heilkunst, die das Hum

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