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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2015
Kann Religion Frieden?
Was die Macht des Terrors bricht
Der Inhalt:

»Ich kann nicht mehr«

Diesen Satz hört Psychiater Michael Schulte-Markwort immer öfter – von Kindern und Jugendlichen. Was ist passiert, wenn schon Teenies vor Erschöpfung zusammenbrechen?

Publik-Forum: Bei »Burn-out« denkt man an ausgebrannte Manager. Sie warnen vor Burn-out bei Kindern. Übertreiben Sie?

Michael Schulte-Markwort: Die Symptome einer Erschöpfungsdepression – das ist das deutsche Wort für Burn-out – sind Leistungsknick, Antriebslosigkeit, Interesselosigkeit, Schlafstörungen, Appetitverlust, Konzentrationsstörungen und schließlich ein tiefes Gefühl von Traurigsein. Es sind genau die Symptome, mit denen Kinder und Jugendliche in den letzten fünf Jahren zusehends zu mir kommen.

Publik-Forum: Ist Burn-out mehr als nur ein modischer Name?

Schulte-Markwort: Vor zwanzig Jahren habe ich ganz selten einmal derart erschöpfte Kinder gehabt. Heute kommen immer mehr Abiturienten mit Symptomen der Erschöpfungsdepression zu mir.

Liegt das an der Schule?

Schulte-Markwort: Ja, die Schule ist insgesamt ein so stressiger Ort geworden, dass es ganz schwer geworden ist, sich dem zu entziehen – für Lehrer wie für Schüler.

Aber zeigen Eltern und Lehrer heute nicht viel mehr Verständnis – auch für abweichendes Verhalten?

Schulte-Markwort: Meine Patienten berichten mir etwas anderes, etwa von Lehrern, die reinkommen und sagen: »Ihr braucht euch gar nicht anzustrengen, bei mir gibt’s sowieso keine Eins.« Wenn ich mich in den Schulen für meine Patienten mit ADS oder Teilleistungsstörungen einsetze, höre ich von Lehrern oft reflexhaft: »Dann ist das eben kein Gymnasialkind.«

Was sind weitere Ursachen?