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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2015
Kann Religion Frieden?
Was die Macht des Terrors bricht
Der Inhalt:

»Große Lücken«

Viel ist geschehen, doch längst nicht genug: Projekte zur interkulturellen Öffnung der Schulen

Vor Wien« heißt ein Café im Berliner Stadtteil Kreuzberg. Im Namen dieses Szenetreffs für jugendliche Migranten steckt ein ironischer Umgang mit den Ängsten der Mehrheitsgesellschaft: in Anspielung auf die Zeit, als sich Europa von den Türken, die 1683 »vor Wien« standen, bedroht sah. Nicht alle schaffen es, derart salopp mit Vorbehalten umzugehen. Aus Erfahrungen von Fremdheit und Diskriminierung ist in Deutschland eine salafistische Protestbewegung entstanden. Die ultrakonservative Strömung des Islams ist heute eine Subkultur, wie es früher die Hippies oder die Punks waren. Mit Bart statt Irokesenschnitt. Als reine Jugendkultur gefährde das die jungen Leute noch nicht direkt, meint der Religionspädagoge Harry Behr. »Sehr wohl aber der politische Salafismus, in dem Ideologisierung stattfindet.« Dieses Milieu zu erreichen ist daher eine zentrale Aufgabe. Für Behr ist dabei der Islam nicht Ursache des Problems, sondern Teil der Lösung.

Seine Erkenntnis setzt sich langsam durch, nachdem durch aufgeregte Islamdebatten und Versäumnisse in der Integrationspolitik viel Zeit verloren wurde. Die interkulturelle Öffnung der Gesellschaft ist das beste Rezept gegen Dschihadisten. »Schulbildung, ein Beruf, eine Ausbildung, Anerkennung und Teilhabe sind die wichtigsten Maßnahmen«, sagt der Islamwissenschaftler Bekim Agai aus Frankfurt am Main. Noch gibt es zu wenig Lehrer mit Migrationshintergrund, kaum interkulturelle Elternarbeit und nur vereinzelte Angebote zur Lehrerfortbildung.

Trotzdem hat sich in den letzten Jahren viel getan. Einige Bundesländer haben, angefangen von Nordrhein-Westfalen und Hessen, islamischen Religionsunterricht eingeführt, der aber noch lange nicht flächendeckend für alle 700 000 Schüler