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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2013
Wohin denn noch?
Abschied vom Wachstumswahn
Der Inhalt:

»Gott scheint für viele tot«

Vor der Papstwahl: In Europa grassiert die Entfremdung
von den Kirchen

Papst Benedikt XVI. ist zurückgetreten. Ein historischer Schritt! Man muss ihm danken. Er gibt dadurch Anlass zu der Frage, wo und warum es in der katholischen Kirche »hapert«. Deutlich geworden ist: Die römische Kirche braucht eine umfassende, große Strukturreform. Zu viele Dinge wandern auf römische Schreibtische (bleiben dort liegen oder werden gestohlen). Die Entscheidungen des Zweiten Vatikanischen Konzils zugunsten der Ortskirchen und über die Mitsprache der Bischöfe wurden zu wenig umgesetzt. Rom bremst. Die Uhren dort gehen – ebenso wie in Italien – meist sehr anders als nördlich der Alpen.

Im Norden Europas leeren sich die Kirchen. Schuld daran sind nach Ansicht der Konservativen die weite Öffnung der Kirchentüren, nach Ansicht der Fortschrittlichen, dass die Entscheidungen des Konzils klammheimlich zurückgenommen wurden. Die römisch-katholische Kirche sei im Sprung gehemmt worden, schreibt der ehemalige Wiener Weihbischof Helmut Krätzl, der sich noch persönlich ans Konzil erinnert.

Die Dramatik ist aber meiner Ansicht nach anders zu sehen: Parallel zur nachkonziliaren Entwicklung verlief durch Mitteleuropa seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges ein außergewöhnlicher Schub der Säkularisierung: Der durchschnittliche Mitteleuropäer wuchs nicht mehr wie früher in seine Kirche hinein, sondern folgte anderen Vorbildern, übernahm andere Lebensformen und Lebensnormen, ließ sich von anderen Werten und Lebensweisen bestimmen. »Man« gehörte nicht mehr automatisch zu einer Kirche und Pfarrgemeinde, sondern suchte sich seinen geistigen Lebensraum selbst – oft im Gefolge von Moden und Trends. Man nennt es »Entfremdung von der Kirche«.