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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2013
Wohin denn noch?
Abschied vom Wachstumswahn
Der Inhalt:

Gestrandet auf der Insel der Engel

von Chrissi Wilkens vom 08.03.2013
Auf Lesbos landen fast täglich Flüchtlinge. Die Inselbewohner versuchen zu helfen – viele stammen selbst von Flüchtlingen ab

Später Nachmittag in der zentralen Polizeistation der griechischen Insel Lesbos. Ein junges Paar aus Afghanistan sitzt zusammen mit anderen Flüchtlingen zitternd im großen Wartesaal. Sie sind in den frühen Morgenstunden von der gegenüberliegenden türkischen Küste im Norden der Insel angekommen. 28 Menschen zusammengequetscht in einem kleinen Schlauchboot. Der Vater hält seine vierjährige Tochter in den Armen, die mit hohem Fieber kämpft. »Bei der Überfahrt von der Türkei nach Griechenland lief das Schlauchboot mit Wasser voll«, sagt er. Sie sind stundenlang vom Ufer aus in den Bergen der Insel herumgeirrt, bis sie auf eine Hauptverkehrsstraße stießen. Ein Polizeiwagen hat sie dann aufgelesen.

Seit die türkisch-griechische Landesgrenze durch einen Zaun abgeriegelt und die Polizei massiv aufgestockt wurde, hat sich der Flüchtlingsstrom auf die Ägäis-Inseln verlagert. Mit katastrophalen Folgen: Immer wieder kentern die Boote, Anfang des Jahres starben so mindestens drei Flüchtlinge, im Dezember ertranken mehr als 21, im September 62 Personen. Der Flüchtlingsstrom reißt trotzdem nicht ab.

Auf Lesbos wird greifbar, was von Kritikern als »Festung Europa« angeprangert wird. Doch Lesbos ist auch Schauplatz einer Initiative, die Hoffnung macht und im krisengeschüttelten Griechenland ihresgleichen sucht. Die wartenden Flüchtlinge werden von einer herbeieilenden Frau begrüßt. Efi Latzudi, eine 44-Jährige mit braunen Locken, schaut besorgt auf das Kind und fragt energisch: »Wie viele Tage hat sie nichts gegessen? Wenn sie hungrig ist, können wir Milch und Kekse bringen.« Sie ist Mitglied des Solidaritätsnetzwerks Das Dorf aller, das sich um Flüchtlinge und verarmte Bürger der Insel kümmert.

Die Flüchtlinge, die oft aus Krisenregionen kommen und nicht abgeschoben werden können, hoffen, sich später nach Westeuropa durchschlagen zu können. Bis sie registriert sind, vergehen teilweise bis zu 18 Monate. Eine Wartezeit, die sie normalerweise in Gefängnissen oder geschlossenen Lagern verbringen müssten. Da diese jedoch hoffnungslos überfüllt sind, campieren viele auf der Straße und in Parks.

Die Mitglieder der Initiative stehen täglich im Kontakt, um den neu Gestrandeten zu helfen. Efi Latzudi wurde durch einen Dorfbewohner im Norden der Insel über die Ankunft der afghanischen Flüchtlinge informiert und organisiert nun zusammen mi

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