Mit Ziegeln, mit Zement und mit Elan
Wer von Berlin aus 70 Kilometer in Richtung Polen fährt, erreicht die 45 000-Einwohner-Stadt Eberswalde. Der »Aufschwung Ost« findet hier nur in Autohäusern und neuen Banken statt. Die einstigen Großbetriebe sind sehr klein geworden. Neue Arbeitsplätze entstehen nur über Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM). Doch viele Menschen leben hier gerne. Was zählt, ist die Verwurzelung in der Heimat, die Erinnerungen, die Menschen, mit denen man vor Ort lebt. Das größte Viertel der Stadt ist ein Neubaugebiet aus den 70er Jahren für 15 000 Menschen. Auf Beschluss der Regierung der DDR einst in die Landschaft gebaut, um Arbeitskräfte für Betriebe zu werben. Die Werke gibt es nicht mehr, aber das Plattenbauquartier. Die evangelische Kirche hat bereits 1975 versucht, eine Kirche für die Menschen im Viertel zu bauen. Eine DDR-Baugenehmigung gab es aber nur für ein kleines Haus, einige Kilometer entfernt. Zehn Jahre nach der Wende ist das Viertel dabei, langsam zu verwaisen. Die Einwohnerstruktur verändert sich. Familien, die es sich leisten können, ziehen in Einfamilienhäuser. »Brandenburgisches Viertel« ist der Name einer neuen Heimstatt für 800 Übersiedler aus der ehemaligen Sowjetunion. In einer umfangreichen Studie hat die Stadtverwaltung eine Sozialanalyse über Lebens-, Wohn- und Arbeitsbedingungen der Menschen im Viertel vorgelegt. 1992 hatte das Stadtparlament die Verbesserung des Wohnumfeldes beschlossen. Die Lebensqualität aber konnte nie verbessert werden. Soziale und kommunikative Einrichtungen fehlen bis heute, ebenso Jugendeinrichtungen und Gaststätten, Hilfs- und Beratungsangebote in ausreichender Zahl. Die kirchlichen Bemühungen um eine Stärkung des Viertels und um »missionarische« Arbeit, für Angebote zur Veränderung der Lebenssituation, waren stets nur Versuch.
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