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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2019
Sie herrschen mit Gott
Wie es zu sexualisierter und spiritueller Gewalt in der Kirche kommt
Der Inhalt:

Buch des Monats: Baustelle Religion

von Norbert Copray vom 22.02.2019
Das Wissen über Gott und Glaube ist zerfallen. Wie kann es für die Zukunft wiedergewonnen werden?

Rudolf Englert
Was wird aus Religion?
Beobachtungen, Analysen und Fallgeschichten zu einer irritierenden Transformation. Grünewald. 326 Seiten. 29 €

Wenn sich erklärte Atheisten zu einem Glauben ohne Gott, zu einer Spiritualität ohne Gott und zu einer Religion ohne Gott bekennen: Was ist dann Religion? Wenn inzwischen die vermeintliche Säkularisierung des 20. Jahrhunderts durch eine zunehmende Religiosität abgelöst und überlagert wird: Um was für eine Religiosität geht es da? Wenn es schwierig ist, im Religionsunterricht und selbst in Kirchengemeinden theologische Themen zugänglich zu machen: Wie sind die Menschen religiös? Religion ist eine Baustelle und angesichts dessen herrschen »beklemmende Ratlosigkeiten« bei den beruflich und ehrenamtlich Aktiven, die religiöse Kommunikation und Bildung praktizieren wollen.

Mit seinem Buch »Was wird aus Religion?« bietet Rudolf Englert, Professor für Religionspädagogik am Institut für katholische Theologie an der Universität Duisburg-Essen, eine umgreifende und zukunftsfähige Klärungs- und Verstehenshilfe an, um in der religiösen Gemengelage Denk-, Seh-, Sprach- und Praxisperspektiven zu gewinnen. Dazu analysiert er die »Architektur des Religiösen«: »Religion ist verwirrend Vieles.« Diagnostiziert die »Erosion des Dogmatischen« und den »Zerfall religiösen Wissens«. Er blickt in die »inneren Zerrissenheiten« im Zwiespalt »zwischen der Logik des Tages und den Ängsten der Nacht«, »zwischen Kinderglaube und Kirchenkritik«, »zwischen Frömmigkeit und Atheismus«.

Wo das Dogmatische an Bedeutung verliert, gewinnen das Ästhetische, das Emotionale (wie erlebe ich das?), das Ökonomische (was bringt mir das?) und das Praktische (was bedeutet das für andere?). Während sich parallele Christentümer entwickeln, schwindet der »Sinn für die Ganzheitlichkeit des Religiösen«. »Irritierende Gleichzeitigkeiten« prägen die »Gegenwart des Überkommenen« und ihre Prozesse: hin zu einer ethisch orientierten Religion, zu einer rationalistischen Weltsicht, zu unübersichtlichen Differenzierungen des Religiösen.

Englert beschreibt und deutet anhand zahlreicher Beobachtungen, Beispiele und Fallgeschichten, sodass seine Überlegungen gut nachvollziehbar und erfahrungsnah sind. Schließlich will er als Religionspädagoge vor allem für den Religionsunterricht Land gewinnen, doch das erweist

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